Wie kommt es zu Leinenaggression?

  • 15. Oktober 2017

Heißes Thema: Leinenaggression

Warum gehen so viele Begegnungen an der Leine schief?

Grund 1 - Zu schnelle Annäherung
Die meisten Hunde beginnen an der Leine zu ziehen wenn sie auf andere Hunde zulaufen. Sie haben vielleicht gelernt, dass sie dem Hund ohnehin nicht ausweichen können wenn sie an der Leine sind. Deshalb lautet die Strategie "Vollgas nach vorne". Das findet der entgegenkommende Hund bedrohlich und reagiert dann seinerseits mit Fixieren, Drohen und Bellen.

Dann gibt es Hunde, die bereits über viele Meter Abstand zum entgegenkommenden Hund durch Schnüffeln die Annäherung ausbremsen. Wenn der Mensch nun einfach weiter auf den fremden Hund zu läuft bekommt der eigene Hund Probleme.
Vielleicht möchte er den anderen Artgenossen erst mal aus der Entfernung betrachten.
Hunde kommunizieren bereits über weite Distanz miteinander. Wenn diese Kommunikation unterbrochen oder verhindert wird steigt die Wahrscheinlichkeit für eine beginnende Leinenaggression.

Häufig laufen wir Menschen einfach frontal mit unserem Hund in das andere Hund-Mensch-Team hinein. Unter Hunden wirkt die schnelle frontale Annäherung bedrohlich und die Situation kann dadurch bereits sehr angespannt sein.

Beobachte einmal, was dein Hund beim Anblick eines anderen Hundes tut, wenn du ihm genügend Abstand und Zeit lässt:

  • Schnüffelt er am Wegrand? 
  • Schaut er kurz zum fremden Hund und anschließend wieder weg?
  • Schaut er dich an?
  • Möchte er den Weg verlassen und auf die Wiese gehen?

Wenn etwas davon auf deinen Hund zutrifft wenn der Abstand noch groß genug ist, dann ist es eine gute Idee, deinem Hund diesen Spielraum einzuräumen. Er nimmt selbst Geschwindigkeit aus der Annäherung und signalisiert dem anderen Hund, dass er keinen Konflikt haben möchte.


Grund 2 - Bewegungseinschränkung durch die Leine
Viele Hunde fühlen sich durch die Leine eingeschränkt. Wenn ein Hund als Junghund an der Leine zu allen Hunden hingelassen wurde und jetzt geht das nicht mehr ist natürlich Frust vorprogrammiert. Einer Leinenaggression steht damit Tür und Tor offen.

Nehmen wir an, ein Hund hat gelernt, dass er immer jeden Hund begrüßen darf. Nun wird er auf einmal an der Leine daran gehindert. Da kann mächtig Frust aufkommen. Aus Frust wird blitzschnell Aggression. 

Eine Leine verhindert in den meisten Fällen einfach hundliche Kommunikation. Sobald die Leine auf Spannung kommt, verändert sich der Körperschwerpunkt und damit die Körperhaltung des Hundes. Schon ist die Körpersprache eine andere, als es ohne Leine der Fall wäre. Häufig nehmen wir als Hundehalter die Leine kürzer und sorgen damit für mehr Spannung, sobald ein anderer Hund näher kommt.

Übrigens entstehen so die Leinenrambos, die ohne Leine mit vielen Hunden deutlich besser klar kommen.

Grund 3 - Frühere Situationen mit Hunden
Welche Erfahrungen hat dein Hund mit anderen Hunden bereits gesammelt? Gab es unschöne Begegnungen? Reagiert er an der Leine jedes Mal frustriert oder generell aufgeregt wenn er andere Hunde sieht? Dann landet jede neue Begegnung, die ähnlich abläuft auf seinem Erfahrungskonto und die Begegnungen werden jedesmal stressiger für ihn.

Viele Hunde haben früh im Leben die große Aufregung mit Hunden verknüpft. Weißt du, wo?
Auf dem Hundplatz oder der Hundeschule herrscht oft Gefiepe und Gebelle. Vielleicht gibt es Tobe-Runden vor oder nach der Stunde und was passiert? Die Hunde verbinden ganz viel Anspannung und Aufregung mit anderen Hunden. Das führt später dazu, dass dein Hund aufgeregt wird wenn er andere Hunde sieht. 

Oft führt gerade die gut gemeinte Welpenstunde zu Problemen: Wenn diese Gruppe schlecht oder gar nicht geführt wird, es keine Pausen für die Welpen gibt, in denen sie auch tatsächlich entspannen lernen sondern nur "still gehalten werden" sind spätere Probleme vorprogrammiert.

Ganz wichtig ist übrigens auch: Welche Erfahrung haben unsere Hunde mit UNS gemacht wenn es um Hundebegegnungen geht? Gab es mal strenge Worte? Wurde an der Leine geruckt oder anders körperlich auf den Hund eingewirkt? All` das führt dazu, dass Hunde nur noch aufgeregter reagieren. Denn sobald ein Hund auftaucht reagieren wir Menschen auch noch sehr unangenehm.

Es gibt also hier eine Menge "Altlasten" die unsere Hunde so in Hundebegegnungen mitbringen.

Was ist dann aber die Lösung?
Auch hier lautet das Zauberwort: Entspannung! Es gibt tolle Möglichkeiten, wie du deinem Hund helfen kannst bei Hundebegegnungen entspannter zu bleiben. Mit gezieltem Training und Management wirst du schnell Erfolge feiern können.

In der ersten Zeit ist es werdet ihr die größten Fortschritte erreichen wenn:

  • ihr unkontrollierte Situationen in denen ihr nicht ausweichen könnt vermeidet (wenn dein Hund mit Aggression auf andere Artgenossen reagiert)
  • Tempo raus! Schau, was dein Hund macht wenn er langsam und mit genug Abstand zum anderen Hund gucken kann
  • mit genügend Abstand zu anderen Hunden und einem gut sitzenden Alternativverhalten trainiert wird


Genügend Abstand hat dein Hund dann, wenn er zum anderen Hund hin- und wieder weg schauen kann ohne sich stark anzuspannen oder gar mit Bellen oder Knurren zu reagieren. Möglicherweise sind das auch erst einmal 50 Meter.

Leinenspaziergänge mit einem anderen angeleinten Hund und genügend Abstand kann euch im Training sehr weiter helfen. Hier kann dein Hund lernen, dass er auch in Anwesenheit eines anderen Hundes mit dir zusammenarbeiten kann und vorallem sicher ist. Es passiert nichts Unangenehmes, nur weil ein anderer Hund in der Nähe ist.

Wenn dein Hund unbedingt jeden Hund begrüßen möchte und deshalb frustriert ist wenn er es nicht darf, können euch geführte Leinenspaziergänge auch helfen. Wähle da denn Abstand ebenfalls so, dass dein Hund noch "denken" kann und gar nicht erst in den Bereich kommt, an dem er fiepend und bellend in der Leine hängt. 

Hat dein Hund Stress und regt er sich auf, so kann er nichts lernen.

Gerade Training bei Aggressionsproblemen sollte dir und deinem Hund Spaß machen. Denn so entsteht eine tolle Lernatmosphäre - nicht nur für deinen Hund sondern auch für dich.

Jede Verhaltensänderung, die wir bei unseren Hunden erreichen wollen funktioniert nur, wenn wir selbst unser Verhalten und den Rahmen ändern.