Was dein Welpe wirklich lernen sollte

Welpen – Was sie lernen sollten

  • 23. Januar 2018

Training mit Welpen und deren stolzen Besitzern ist richtig toll. Meistens treffe ich auf wissbegierige Welpeneltern die von Anfang an alles richtig machen wollen.

Kommt dir das bekannt vor? Vielleicht hast du gerade auch einen Welpen oder Junghund bei dir und du möchtest unbedingt alles richtig machen - und zwar von Anfang an.

Da bin ich keine Ausnahme. Auch mir erging es mit meinem Welpen damals so. "Bloß auf alles achten, darf mein Welpe das jetzt?" oder "Oh nein, wie reagiere ich denn, wenn er DAS macht?".

Ich geb`s zu, ich war teilweise ganz schön überfragt und überfordert. Mein Anspruch an mich selbst alles richtig machen zu wollen hat mich sehr schnell an meine Grenzen gebracht. 

Ständig fühlte ich mich deshalb gestresst und im Umgang mit dem kleinen Welpen gehemmt. Nie wusste ich, ist das jetzt richtig? Was muss ich tun?

Und vor allem, was muss mein Welpe alles lernen, damit er nichts verpasst?

"Aber die Sozialisierung..."

Die Empfehlung, dem Welpen innerhalb eines kurzen Zeitraums so vielen Reizen auszusetzen wie möglich beruht häufig auf dem Gedanken "Viel hilft viel". 

Je mehr der Welpe in der Phase zwischen der 3. und etwa 16. Lebenswoche kennen lernt, desto besser würde er später mit allem klar kommen.

Aber:
Gerade weil Welpen in dieser Zeit sehr schnell und nachhaltig lernen macht es Sinn, bewusst für kontrollierte und positive Lernerfahrungen zu sorgen.

Dazu gehört, dass dein Welpe in seinem Tempo erkunden darf. 

Gib` ihm die Möglichkeit auch einmal zu sagen "Nein, das möchte ich bitte nicht näher kennen lernen!". Unterstütze ihn, belohne ihn für seine Neugier aber locke ihn nicht zu "gruseligen" Gegenständen. 

Wenn du ihn lockst bringst du ihn in einen Konflikt. Eigentlich will er lieber weg aber da bist ja du oder ein Leckerchen. Das stresst den Kleinen zusätzlich.

Besser ist es, wenn du ihn für jeden Blick zum Gruselobjekt lobst und ihn so ermunterst, selbst zu erkunden.

Überforderung und "da muss er jetzt durch"-Gedanken können - müssen aber nicht -  dir im weiteren Hundeleben ansonsten die ein oder andere problematische Verhaltensweise einbringen.

Was also braucht DEIN Welpe? 

Heute weiß ich: Jeder Jeck is' anders. Und jeder Hund erst recht. Es gibt also kein Rezept und keinen starren Zeitplan, in dem es ausnahmslos ALLES abzuarbeiten gilt.

Auch nach der 16. Woche kann dein Welpe Neues kennenlernen. Dann vielleicht nicht mehr so schnell und so unbefangen.

Wichtig ist: Was braucht dein Welpe, um im Alltag bei dir und in deiner Umgebung gut, angstfrei und mit Freude zu leben?

Wenn du also auf dem platten Land lebst und dein Welpe voraussichtlich nie mit dem Zug fahren muss macht es wenig Sinn, ihn zum nächsten Großstadtbahnhof zu schleppen. Dort wird er einer ganzen Menge Menschenbeinen, Unrat, Koffer, Lärm und Treppen ausgesetzt, vielleicht tritt ihn jemand oder er bekommt mächtig Angst vor den großen Zügen. Da hat keiner etwas gewonnen, nicht? 

Vielleicht trefft ihr unterwegs regelmäßig auf Kühe oder andere Weidetiere, Traktoren und große, laute Maschinen?

Dann lege Wert darauf, dass dein Welpe diese Dinge möglichst positiv und angstfrei kennen lernen darf.

Wieviel mit dem Welpen trainieren? 

Neben Lernmöglichkeiten benötigt ausnahmslos jeder Welpe eines, nämlich die Möglichkeit Gelerntes in Ruhe verarbeiten zu können. 

Möchtest du bestimmte Dinge intensiv üben eignet sich eine kurze Übungsdauer von wenigen Minuten.

Welpen Training

Trainiere lieber qualitativ sauber und kurz mehrmals am Tag anstatt 15 Minuten am Stück.

Dein Welpe unterscheidet nicht zwischen bewusstem Training und Alltag. Für ihn sind alle neuen Eindrücke gleichermaßen "neu" und beanspruchen ihn deshalb.

Pausen, Entspannung und eine Mütze Schlaf ist deshalb auch für deinen Welpen Gold wert. 

Wenn du also bemerkst, dass dein Welpe gerade schon seine wilden 3 Stunden hat erübrigt sich die Frage, ob du jetzt mit ihm noch eine Stadt-Trainings-Runde machst.

Sorge nach neuen Eindrücken für Entspannung.
Gib` deinem Welpen etwas zu Kauen, gönn` ihm eine kleine Massage oder einen Kong, mit dem er sich in den wohlverdienten Schlaf nuckeln kann. 

Übrigens: Hunde sind polyzyklische Schläfer. Das heißt, es ist normal dass sie einige Stunden aktiv sind und anschließend wieder einige Stunden ruhen und schlafen.

Welpen schlafen

Genügend Ruhe und Schlaf hilft deinem Welpen Gelerntes zu verarbeiten und gestärkt in neue Ab​enteuer zu starten.

Eine Sprache mit deinem Welpen sprechen

Ganz klar, wir sind Menschen und Hunde sind Hunde. Wir kommunizieren völlig verschieden und haben ganz grundverschiedene Höflichkeitsregeln. Da kommt es schnell zu Missverständnissen.

Damit dein Welpe versteht, was du ihm sagen möchtest müsst ihr natürlich eine gemeinsame Sprache sprechen.
Stell` dir vor, du bist in deinem fremden Land und beherrschst die Sprache nicht.
Ständig wirst du von den Menschen angesprochen, von manchen nett, von anderen ärgerlich. Und du hast keine Ahnung was los ist. Das verunsichert und frustriert.

Die einfachste und beste Möglichkeit um deinem Hund klar zu sagen was du wirklich toll findest und was er bitte öfter tun soll ist das -Markersignal. (Link: Was ist ein Markersignal?)

Bild-Quelle: www.amazon.de

Alternativ zum Markerwort kannst du auch einen Clicker verwenden. Es gibt eine Menge verschiedener Fabrikate auf dem Markt.
Der Vorteil eines Clickers ist der markante Ton. Er hebt sich deutlich von unserer Stimme ab und wird vom Hund deshalb besser wahrgenommen. Nachteil: Man hat immer eine Hand zur Verwendung des Clickers "besetzt".

Das Markersignal ist ein Wort oder ein Geräusch, das immer eine Belohnung ankündigt.  

Nach dem Markersignal hast du dann 1-3 Sekunden Zeit, deinen Hund zu belohnen.

Das macht nicht nur Spaß sondern schafft auch Vertrauen, reduziert Stress und lässt deinen Welpen gerne mit dir zusammenarbeiten.

Das Markersignal kannst du für jede neue Übung einsetzen und damit sehr schnell Fortschritte erzielen.

Gold wert: Ruhezone für deinen Welpen

Welpen sind gut darin so lange zu Toben bis sie irgendwann umfallen. Oder "doof" werden. 

Je mehr neue Eindrücke ein Welpe und Junghund bekommt, desto mehr Zeit benötigt er, um diese Eindrücke auch verarbeiten zu können.

Welpen sind mit etwa 17-22 Stunden Ruhe und Schlaf pro Tag gut versorgt. Bei erwachsenen Hunden sind 15-18 Stunden Ruhe und Schlaf eine gute Richtschnur. Es gibt immer Abweichungen, die mit mehr oder weniger ohne Probleme klar kommen. 

Hat dein Welpe insgesamt deutlich weniger Ruhe- und Schlafzeiten kann ihm die Entspannungszone helfen.

Gerade weil Welpen und Junghunde schnell an Neues zu gewöhnen sind kannst du gleich von Beginn an eine tolle Ruhezonen etablieren. 

Von alleine wird dein Welpe nämlich kaum auf die Idee kommen sich auszuruhen.

Richte deinem Welpen deshalb von Anfang an eine kuschelige Ruhezone ein. Hier findet er alle tollen Kausachen, einen Kong, etwas zum Auspacken oder Zerrupfen und auch Kuscheln und Kontaktliegen gibt es in dieser tollen Zone für ihn.

Wenn er von Beginn an lernt - nach jeder Tobe-Runde gibt es in der Zone etwas Schönes - hast du bereits ein wichtiges Ritual eingeführt.
So wird dein Welpe öfter von sich aus diesen Bereich aufsuchen wenn er sich entspannen möchte. 

Verbinde diese Zone also mit schönen und entspannenden Dingen für deinen Welpen. 

Und ganz wichtig: Wenn er dort liegt hat er dort auch seine Ruhe!
Deine Aufgabe ist es, anderen Mitbewohnern oder Besuchern, besonders Kindern klar zu machen, dass dein Hund nicht gestört wird wenn er sich dort aufhält.
Das ist seine Sicherheitszone.  Hier kann er in Ruhe völlig entspannen.

Übrigens hilft dir diese Zone auch wenn es darum geht, Alleinebleiben zu trainieren. 

Welpe anfassen und festhalten

welpe tierarzt

Festgehalten werden kann echt unangenehm sein! Mit ein wenig Übung wird der Tierarztbesuch zum Kinderspiel!

Sicher fragst du dich, was das denn soll? Der Welpe soll lernen, sich anfassen zu lassen?

Ja. Das ist Gold wert. Spätestens wenn es um so Dinge wie Fellpflege, Zahnpflege, Krallenschneiden und Tierarzt geht bist du dankbar, wenn dein Hund gelernt hat, sich nicht nur von dir sondern auch von Fremden (Tierarzt) anfassen zu lassen und auch körperliche Einschränkungen wie das Festhalten einzelner Körperteile gut ertragen kann. 

Das kannst du mit deinem Welpen ganz einfach spielerisch üben. 
Am besten und schnellsten lernt er es, wenn du ankündigst was du tust:

Du möchtest seine Pfote untersuchen? Dann benenne das (zum Beispiel mit "Pfote gucken") und berühre dann seine Pfote, belohne ihn dabei mit einem Leckerchen und nimm deine Hand wieder weg. 

Festhalten kannst du genau so üben:
Ankündigen  -  Hände seitlich an deinen Welpen - Loben und belohnen - Hände wieder weg.

Wichtig ist es, dass du kleinschrittig beginnst: Übe das nur so, dass dein Welpe keine Angst zeigt und auch nicht zappelig ist. Wenn er nur eine Millisekunde still halten kann - Super! Darauf baust du weiter auf. 

Klappt das bei dir super, kannst du auch Freunde und Bekannte bitten, mit euch das Anfassen zu üben. Die meisten sind da sofort dabei. 😉

"Komm zurück!"

Ok, DAS ist wirklich wichtig.
Jeder Hund sollte einen brauchbaren Rückruf beherrschen.

Das ermöglich Sicherheit, etwas mehr Bewegungsfreiheit für den Hund und ist Teil eines rücksichtsvollen Miteinanders mit anderen Menschen und Lebewesen.

Allzu häufig werden Hunde gedankenlos abgeleint ohne dass der Mensch auch nur den Hauch einer Chance hat, seinen Hund abzurufen wenn es nötig wäre. 

Mein Favorit für den Rückruf ist der doppelte Rückruf. Wie du den mit deinem Welpen trainieren kannst erfährst du wenn du dem Link in der Box folgst:

Das ist alles?

Nein, natürlich nicht. Es ist ein Anfang. Und ein Anstoß, dass du für dich und deinen Welpen genau das raussuchst, was ihr für ein tolles Hundeleben braucht. 

​Eines aber ist sicher: Wenn dein Welpe gelernt hat zu entspannen und neue Dinge gut bewältigen zu können wirst du viel weniger "unerwünschte" Verhaltensweisen an ihm beobachten können. Und ganz nebenbei lernt er neue Signale und gutes Benehmen viel leichter, als wenn er ständig auf 180 läuft. 

Wenn für dich also ein super sicheres Sitz notwendig ist (und ja, ich finde das auch super wichtig!) dann steht das bei euch weiter oben auf der Prioritätenliste.

Wenn dein Welpe unbedingt mit anderen Hunden klar kommen sollte, dann legst du den Fokus in der sensiblen Phase auf die positive Belegung von Hunden und auf freundliche und kontrollierte Hundekontakte.

Der Alltag wird dafür sorgen, dass euch die Trainingsgelegenheiten nicht ausgehen. 

Vielleicht springt dein Welpe furchtbar gerne Leute an. Oder er sollte lernen, nicht zu jedem anderen Hund zu stürmen. 

Alles wird sich ergeben. Und alles zu seiner Zeit.

Genieße die Welpenzeit. Sie ist einmalig. Und sie vergeht so schnell. 

Du musst nicht alles in die ersten 16 Wochen pressen. Du wirst Fehler machen. Du darfst Fehler machen!

Ich habe viele Fehler gemacht. Heute weiß ich es besser. Und mache immer noch Fehler. 😉

Und will dir den Druck damit ein wenig nehmen. Trotz meiner Fehler habe ich den tollsten Hund, den ich mir nur wünschen könnte.

Ich bin sicher, bei dir wird es genau so!

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