Mein Hund hat Angst: Trösten erlaubt?

  • 24. Juli 2018

Hast du einen Hund, der in der ein oder anderen Situation Angst hat, dann hast du dir diese Frage sicher auch schon einmal gestellt: "Darf ich meinen ängstlichen Hund trösten?"

Um diese Frage drehen sich viele Meinungen, Empfehlungen und gut gemeinte Ratschläge. Vermutlich kennst du sie schon alle. 

Ob beim Tierarzt, nach einem lauten Knall oder wenn etwas auf krachend auf den Boden gefallen ist und dein Hund erschreckt sich und kommt zu dir gesaust.

"Darf ich trösten oder belohne ich damit die Angst?"

Hast du dich das auch schon mal gefragt? Gut! Ja, ich finde es richtig gut wenn du dich mit Fragen rund um deinen Hund beschäftigst. 

Wer fragt, bekommt auch Antworten. Natürlich ist mein Blogartikel nur einer von Tausenden, die du finden wirst, wenn du diese Frage beantwortet haben möchtest. Ganz ehrlich: Das ging mir genau so. 

Eine Menge Meinungen und Annahmen habe ich gefunden.

Wenn es dir so geht wie mir, dann hinterfragst du. Dann beginnst du, dich zu fragen, ob diese Annahmen denn tatsächliche Wahrheiten sind oder eben nur Annahmen.

Gepaart mit deinem Bauchgefühl, welches innerlich unbehaglich quer liegt wenn du Sätze wie "Du darfst seine Angst nicht bestätigen und musst ihn völlig ignorieren wenn er Angst hat!" oder "Das muss er endlich alleine lernen, schließlich passiert ihm ja nichts wirklich!" liest. 

Dann, finde ich, hast du ein gutes Bauchgefühl.

Gefühl ist ein gutes Stichwort. Was ist Angst? Angst ist eine Emotion - umgangssprachlich, ein Gefühl. Wir empfinden Angst, unsere Hunde empfinden Angst. Ebenso wie alle Säugetiere. Das ist zum Glück bereits länger bekannt.

"Angst haben" ist ein Gefühl, ein emotionaler Zustand. Vor allem ist Angst erst einmal eine normale und sinnvolle Reaktion auf eine Bedrohung. Denn Angst alarmiert und sorgt dafür, dass das Individuum überlebt. Und zwar durch mehr Abstand zum Angstauslöser und der potentiellen Bedrohung. Klingt also ganz sinnvoll, nicht?

Ok, zurück zur Angst und der Fragen nach dem Trösten.

Hast du Höhenangst? Oder Angst vor Spinnen? Versetze dich jetzt in eine Situation, vor der du Angst hast. Egal, worum es sich dabei handelt. 

Wie fühlt es sich an, wenn du dich in dieser Situation befindest? Bist du wie gelähmt? Fühlst du dich hilflos? Willst du nur, dass es zu Ende ist und du wieder in Sicherheit bist?

Egal um welche Situation es geht. Es belastet. 

Wie fühlt es sich an, wenn dich dein Partner/deine Partnerin in dieser Situation daran hindern würde, weg zu gehen? 
Wie ist es, wenn er/sie dich festhält und zwingt, da zu bleiben und es "auszuhalten"?
Hast du anschließend weniger Angst, weil ja nichts passiert ist?
Ich glaube, bei mir würde Aggression ausgelöst werden und ich würde um mich schlagen um weg zu kommen. 

"Aber das ist doch Vermenschlichung"

Hunde wie Menschen haben Säugetiergehirne, die auf Bedrohung gleich reagieren.
Unter Stress rutschen wir in Verhaltensweisen wie Flucht, Angriff, Einfrieren/Erstarren oder Überspungshandlungen (Fiddle about).

Es hat also nichts damit zu tun, den Hund zu vermenschlichen sondern vielmehr hilft es, zu verstehen, dass auch Hunde diese Emotionen haben.

Dadurch wurde mir klar, dass es nichts bringt, den Hund in ängstigende Situationen zu bringen und ihn das "aushalten" zu lassen obwohl er dem gar nicht gewachsen ist.

Es mag Hunde geben, die dann äußerlich ruhig erscheinen, sich kaum oder gar nicht mehr bewegen. Es sieht so aus, als hätte der Hund gelernt, damit umzugehen. Oftmals befinden sich diese Hunde jedoch in einer Starre und können so gut wie garnicht mehr reagieren. Das hat mit Bewältigung nicht viel zu tun. 

Emotionen kann man nicht bestrafen oder belohnen

...aber man kann sie verändern. 

Zurück zur Sorge, man könne mit Trösten die Angst des Hundes "belohnen".

Wir können Verhalten von Hunden belohnen oder bestrafen. Jedem Verhalten liegt eine bestimmte Emotion zugrunde. Ein aufgeregter Hund zeigt anderes Verhalten als ein entspannter Hund.

Verändere die Emotion und du dann kannst du das Verhalten verändern.

Wenn der Hund Angst hat und von dir geht etwas für den Hund Angenehmes aus, kann das deinem Hund helfen, weniger Angst zu haben.

Hat ein Hund Angst und man wirkt unangenehm auf ihn ein, hält ihn fest oder wird laut kann das seine Angst verstärken. Wie das?
Die Situation macht ihm bereits Angst, jetzt wird auch noch die Bezugsperson richtig unangenehm. Die Situation verschlechtert sich, mehr Angst macht sich breit. 

Was du beim Trösten beachten solltest

Du kannst deinen Hund also super unterstützen. Durch "Social Support". Sei' da wenn er sich ängstigt. Unterstütze ihn, biete ihm angenehme Dinge an ohne sie ihm aufzudrängen.

Sei nicht beleidigt wenn er das Futter jetzt aber nicht nehmen kann. Unter Stress ist Fressen nicht sinnvoll. 

Biete ihm Nähe an, wenn er das mag. Vermeide es aber bitte, deinen Hund festzuhalten wenn er es nicht möchte. Sonst wird die Situation für ihn noch unangenehmer.

In Angstsituationen kannst du deinem Hund helfen mit:

  • konditionierter Entspannung
  • einem einfachen, häufig gut belohnten Lieblingstrick
  • ruhiges, freundliches Zureden
  • Angebot von Körperkontakt (optimal trainiert mit Ankündigung)
  • gut trainiertes Spielen
  • koordiniertes Flüchten (an der Leine)
  • Drinnen: Sicherheitszone, gerne höhlenartig 

Angst macht krank

Treten immer wieder Ängste auf, die heftig ausfallen und das Leben deines Hundes (und vermutlich auch deines) beeinträchtigen, ist Unterstützung wichtig. 

Auch die Emotion Angst kann verändert werden und mit systematischem Training kannst du deinem Hund helfen, bestimmte Angstauslöser in Zukunft gelassener zu erleben. Du kannst ihm Strategien beibringen, wie er damit umgehen kann. 

Weniger Angst zu haben erhöht die Lebensqualität enorm. Es lohnt sich also definitiv, daran zu arbeiten.

Natürlich kann man nicht alles immer zu 100% verändern. Man kann nicht jede Situation vermeiden, in der ein Hund Angst hat. Leben passiert. 

Aber es gibt Möglichkeiten, die Hunde dennoch zu unterstützen. 

Ich bin sehr froh über diese Möglichkeiten. Und richtig froh bin ich darüber, dass sie auch mit meinem Bauchgefühl im Einklang sind. 

Mein eigener Hund hatte früher schon Angst vor dem Geräusch einer zugehenden Türe. Das hat sich ruck zuck ausgeweitet und sie zeigte schnell Meideverhalten wenn sich eine Türe nur leicht bewegte, etwa durch einen Luftzug. 

Ich konnte ihr hier zum Glück mit einer Mischung aus Desensibilisierung und Gegenkonditionierung helfen. Heute sind derlei Geräusche kein Thema mehr.

Die gute Nachricht: Mit Feuerwerk ist das ebenfalls möglich. Auch bei Gewittern kann man es dem Hund deutlich angenehmer machen und er kann lernen, was er tun kann um sich dabei weniger schlecht zu fühlen.

Hat dein Hund Probleme mit Gewitter und/oder Feuerwerk?

Schreibe mir gerne eine Nachricht an erik@der-dogwalker.de und berichte mir, was du bisher unternommen hast, um an der Geräuschangst deines Hundes zu trainieren.

Endlich entspanntes Silvester...

Kannst du dir nicht vorstellen? Dein Hund hat panische Angst bei Knallerei und vielleicht sogar Gewitter?

Dieses Jahr nicht mehr!

Im September 2018 startet die erste Masterclass gegen die Geräuschangst.

Mit einer Hand voll motivierter Teilnehmer_innen sagen wir der Angst Adé und sorgen für entspannte Hunde wenn es knallt.

Trage dich hier ein und du wirst unverbindlich per eMail von mir informiert wie der Kurs abläuft, wie du teilnehmen kannst und wenn es los geht:

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