• 11. Juli 2017

Stress und Entspannung bei Hunden

Ursache für fast jedes "unerwünschte Verhalten" unserer Hunde ist zu große Aufregung und damit mangelnde Fähigkeit zur Entspannung.

  • Ein Hund der in der Leine hängt und tobt - ist wahnsinnig aufgeregt
  • Ein Hund der nicht auf seine Bezugsperson reagieren kann weil er etwas anderes anstarrt - ist aufgeregt
  • Ein Hund der sich nicht hinsetzen kann weil gerade andere Hunde näher kommen - ist zu angespannt um sich hinsetzen zu können
  • dir fallen bestimmt noch viele Beispiele ein

Aufregung ist das Gegenteil von Entspannung.

Wo immer zu große Aufregung herrscht brauchen wir also Entspannungsmöglichkeiten. 

Entspannung heißt nicht, dass der Hund auf der Stelle einschläft, sondern einfach, dass die Aufregung ein bisschen sinkt.

Oft wird Entspannung verwechselt mit Meideverhalten oder einer Form von Zwang.

Das ist etwa dann der Fall, wenn ein Hund ins Platz geschickt wird um sich zu entspannen. Das kann natürlich klappen, wenn keine weiteren Reize auftreten und der Hund dann vielleicht etwas entspannen kann.

Häufig erhöht allerdings ein Signal erst mal die Erregung oder die Erwartungshaltung. Dazu kommt, dass ein Hund, der gerade nervös oder aufgeregt ist sich gerne bewegt um mit seinem Stress umzugehen. Da ist still Daliegen sicher nicht entspannend.

Stress wollen viele Hunde durch Bewegung abbauen.

Bellen ist übrigens auch Bewegung. Die Muskeln rund um Stimmbänder, Brustkorb und der Kehlkopf bewegen sich.

Anderes Beispiel: In vielen Fällen ist ein Hund, der Auslöser wie andere Hunde komplett ignoriert und noch nicht einmal hinschaut weder entspannt noch souverän.

Es könnte sich um Meideverhalten handeln wenn ein Hund überhaupt nicht hin guckt was da ist.
Wahrscheinlich wird er nicht hinsehen, weil er sich mit dem jeweiligen Auslöser - ob nun Mensch, Hund oder etwas anderes - nicht wohl fühlt.

Wann dein Hund Entspannung braucht

Jetzt kommt der Satz der jeden erfreut: Kommt auf deinen Hund an.

Hast du ein robustes Modell, kann er vielleicht gut mit stressigen Situationen umgehen.

Ein anderer Hund benötigt nach einem anstrengenden Tag mit Familienfeier, 2 Stunden Stadttour mit Eisdiele und anschließender Hundewiese 3-4 Tage um sich zu erholen.  

Entspannung ist Mangelware

Ich langweile zwischenzeitlich meine Kunden damit: Bereits Welpen lernen vor dem Sitz und Platz dass es in der Wohnung einen Ort gibt, an dem sie sich entspannen können.

Sie lernen eine Entspannungsdecke kennen und die Welpeneltern bekommen die Aufgabe dafür zu sorgen, dass sich der Welpe genug ausruht.

Wenn Hunde neuen und stressenden Eindrücken (alle neuen Eindrücke sind in gewissem Maße stressend) ausgesetzt werden ohne die Möglichkeit zur anschließenden Entspannung zu haben, wird sich das Auftreten von dem, was wir Menschen als unerwünschtes Verhalten definieren, erhöhen.

Es wird mehr gebellt, vielleicht etwas zerkaut was nicht ins Hundemaul gehört, an der Leine gepöbelt, das Jagdverhalten nimmt plötzlich zu, jedes Blatt im Wind wird gejagt - vielleicht kennst du solche Situationen.  

Ganz ohne Stress? Bitte nicht!

Allerdings ist der Umkehrschluss nicht, dass alles an Stress unbedingt zu vermeiden ist.

Stress ist notwendig, damit sich der Organismus anpassen kann. Stell' dir das ähnlich vor wie bei Muskeln: Damit der Muskel wächst, musst du ihn stressen durch etwas mehr Belastung als er bisher kannte.

Erst dann bekommst du Muskelkater und dein Muskel wird nach anschließender Regeneration wachsen. Wichtig ist also: Nach Stress für Entspannung sorgen.

Im Dogwalking achte ich natürlich auch auf niedrigen Stresslevel. Allein die Anwesenheit anderer Hunde erhöht die Aufregung und die Wahrscheinlichkeit, dass es zu unerwünschtem Verhalten kommt.

Deshalb baue ich ruhige Suchspiele ein und belohne deeskalierendes und distanzvergrößerndes Verhalten.

Kommunikation mit vielen anderen Hunden stresst die einzelnen Hunde bereits mehr als wenn sie alleine mit dir als Bezugsperson unterwegs sind. 

Stress ist wichtig!

Sie sind ständig bedacht, die Signale der anderen Hunde zu beachten und Konflikte weitgehend zu vermeiden. Das ist ganz schön anstrengend. 🙂 Wenn dein Hund anschließend bei dir zuhause die Möglichkeit hat zu entspannen wird er auch eine Tour mit mehreren Hunden gut wegstecken.

Im Auto läuft bei mir deshalb auch das RelaxoDog (was ist das? Hier erfährst du es >>Click<<) in Dauerschleife. Nach wenigen Minuten liegen die meisten Hunde in ihren Boxen und betreiben Augenpflege.  

Entspannungstraining starten!

Kann ein Hund nicht gut alleine bleiben, zeigt er aggressives Verhalten, starkes Jagdverhalten oder andere Auffälligkeiten ist die Grundlage immer eine gute Entspannungsarbeit.

Erst dann kann Training wirklich nachhaltig erfolgreich greifen und der Hund kann Neues lernen.

Ich weiß von mir selbst dass ich nichts, wirklich nichts lernen kann, wenn ich aufgeregt, nervös oder total gestresst bin. Nach einer kurzen Nacht reagiere ich deutlich gereizter auf sonst harmlose Kleinigkeiten.

Dann bin ich nicht in der Lage, etwas Neues zu lernen oder aufzunehmen. Im Gegenteil, das überfordert mich dann meistens. Nach ein paar Stunden Schlaf oder aktiver Erholung sieht die Welt dann schon wieder anders aus.

Mit Entspannung ist jedes Training viel erfolgreicher und effektiver. ​Mit Entspannungsmöglichkeiten wird gutes Training erst möglich und du kannst am Jagdverhalten, an der Leinenaggression oder generell an der "Hibbeligkeit" deines Hundes arbeiten.

P.S.: Auch Schmerz ist ein Stressor. Wenn dein Hund häufig aus dem Hemd hüpft und oft gestresst wirkt, du aber eigentlich denkst, er hat genug Möglichkeit zur Entspannung, hat er vielleicht Schmerzen.

Wenn du nicht sicher bist, ziehe den Tierarzt deines Vertrauens zu Rate.

Rund um Stress und Entspannung:

Erik Hammer

Erik's

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