Jagdhund

Jagdverhalten kontrollieren

  • 26. August 2017

Hunde, die jagen

Jeder Haushund trägt es in sich: Die Veranlagung zum Jagen.

Jagdverhalten ist bei Hunden eine genetisch fixierte Anlage. Wie stark und vor allem welcher Teil des Jagdverhaltens zum Vorschein kommt, hängt von vielen Faktoren ab.

"Genetisch fixiert" bedeutet erst mal eines: Jagdverhalten kann nicht einfach "unterbunden" werden. Es ist ein Verhaltensprogramm, dass die Hunde mitbringen. Wie Bellen. Oder Schnüffeln.
 
Wir können also davon ausgehen, dass der "Mechanismus" Jagen sehr fest verankert ist. Auch wenn der heutige Haushund nicht mehr tun müsste, als seinen Besitzer flehend anzusehen damit dieser die nächste Futterdose raus rückt. Jagd beendet. 

Es ist also Fakt: Jagdverhalten ist erst mal völlig normal. 

Was ist Jagdverhalten?

Jagdverhalten beschreibt den Vorgang eines Beutegreifers zum Erlangen seiner tierischen Nahrung. 

Ich verwende bewusst nicht das Wort Trieb. Denn die Triebtheorie gilt als lange überholt und hat in Sachen Hundeerziehung selten zu einem konstruktiven Umgang mit Hunden beigetragen.

Jagen besteht aus einer Verhaltenskette, der Beutefangsequenz. Jeder Hund bringt seine ganz eigene Beutefangsequenz mit.

Die Beutefangsequenz des Hundes: 

Jagdverhalten Hund

Jagdverhalten Hund

Die Ausprägung der verschiedenen Bausteine der Beutefangsequenz variiert von Hund zu Hund. Manche kommen vielleicht nicht vor oder werden nur ganz selten gezeigt. Andere hingegen werden fast immer ausgelöst.

Mein Hund schleicht fast gar nicht sondern würde sehr schnell Hetzen.  

Das Training im Umgang mit Jagdverhalten kann so umgestellt werden, dass die Elemente Orientieren, Fokussieren und Beschleichen gestärkt werden.

Damit hat man viel mehr Möglichkeiten den Hund a) zu belohnen und b) zu stoppen bevor er ins Hetzen fällt. 

Ballspielen = Hase jagen?

"Jagdverhalten hängt vom Auslöser ab"

Das bedeutet, dass ein Hund, mit dem nie Ball gespielt wurde trotzdem den Hasen jagen möchte.
Es macht keinen Sinn, seinem Hund das Mäusebuddeln zu verbieten, in der Absicht, dass er dann auch weniger Hasen jagt.

Mäuse lösen ein anderes Jagdverhalten aus als Hasen. Rehe wiederum lösen vielleicht wieder ein ganz anderes Jagdverhalten aus als Hasen.
Impulskontrolle am Ball oder an der Reizangel sagt nichts darüber aus, wie gut oder schlecht die Impulskontrolle direkt am Auslöser (Reh oder Hase etc.) ist

Das Problem mit dem Jagen

Jagen ist meistens ein Verhalten, dass wir bei unseren Hunden nicht gerne sehen. Es ist gefährlich, wenn der Hund einem Reh hinterher hetzt, im Wald verschwindet und wir hoffen müssen, dass keine Straße in der Nähe ist. 
Natürlich ist es für das gejagte Wild noch weniger Spaß - es hat schlicht Todesangst und gerät unter starken Stress durch Jagdausflüge von Hunden.

Neben Jagdverhalten an Wild - also geeigneten Auslösern - gibt es im Alltag häufig auch ungeeignete Auslöser wie Jogger, Radfahrer, Autos, Traktoren und viele mehr. 

Halten wir fest:

  • Jagen ist genetisch fixiert
  • Jagen ist selbstbelohnend

Während des Jagens wird ein Hormoncocktail ausgeschüttet, der dafür sorgt, dass weiter gejagt wird.

Sicher ist dir schon aufgefallen, dass ein Hund immer wieder jagen geht, obwohl er vielleicht bisher nie "Jagderfolg" hatte - also noch nie ein Tier "erlegt" hat.

Trotzdem wird er bei geeigneten (oder vielleicht auch ungeeigneten) Auslösern wieder Jagdverhalten zeigen.


Was dir nicht hilft wenn dein Hund jagen geht:

"An der Bindung arbeiten"

Jagen hat nichts mit mangelnder Bindung zu tun. Lass' dir das bitte nicht einreden. 
Jagdverhalten ist ein genetisch fixiertes Verhalten und damit angeboren. Wie stark das Verhalten im Alltag auftritt hängt von vielen Umweltfaktoren ab. 

Keine Wurfspiele mehr

Wenn du etwas wirfst und dein Hund hat Spaß daran, hinterher zu rennen musst du dir keine Sorgen machen, dass er dann auch mehr Wild jagen gehen wird. 
Jagdverhalten ist auslöserabhängig. Ein Ball löst ein anderes Verhalten aus als ein Hase. 

Das, was dein Hund beim Ballwerfen trainieren kann sind Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft. Wurfspiele sind Sport. 😉

Impulskontroll-Übung an der Reizangel

...ist eine Impulskontrollübung an der Reizangel und hat in dieser Form keinen Einfluss auf das Jagdverhalten deines Hundes an einem Hasen oder Reh. 
Ein Hund, der 10 Minuten an der Reizangel warten kann und dann nur auf dein Signal los rennt wird das nicht automatisch am Hasen auch tun. 
Auch hier wieder der Hinweis: Jagdverhalten ist unter anderem auslösergebunden.

Was du tun kannst wenn dein Hund jagen geht:

Alltags-Check

Häufig ist starkes Jagdverhalten ein Symptom von viel Stress im Alltag. Da Jagen selbstbelohnend ist und sich für Hunde gut anfühlt fallen viele Hund in Jagdverhalten um sich besser zu fühlen. 

Eliminiere Stressoren im Alltag und sorge dafür, dass dein Hund mehr Möglichkeiten hat, sich gut zu fühlen und Dinge zu tun die ihm Spaß machen.

Schmerzen sind ebenfalls ein starker Stressor. 

Der Alltags-Check ist besonders dann wichtig, wenn dein Hund unpassende Auslöser für Jagdverhalten hat wie Jogger, Radfahrer oder Fahrzeuge. 

Management

Unter Management fällt:

  • Sicherung durch Schleppleine (ersetzt kein Training)
  • Streckenwahl außerhalb wildreicher Gebiete
  • Situationen vermeiden, die viel Impulskontrolle verbrauchen (wie lange vor dem Fressnapf warten müssen usw.) 

Training

Jagen ist ein hoch komplexes Thema aber so faszinierend. Ich trainiere wahnsinnig gerne am Jagdverhalten und suche für jeden Hund passende Alternativverhalten. 

Du hast Fragen oder benötigst Unterstützung mit deinem Hund?




Unter erik@der-dogwalker.de kannst du mir jederzeit eine Nachricht schreiben.


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