Hundeerziehung – Eine Frage der Sichtweise?

  • 21. Oktober 2017

Neulich kam mir wieder mal der Gedanke, dass wir hier in Deutschland eigentlich in einer ziemlichen Fehlerkultur leben. Schon in der Schule geht es immer nur darum Fehler zu vermeiden.
Die Fehler werden rot umkringelt, unterstrichen und markiert. Das, was gut ist bleibt unkommentiert oder wird im Gesamten mit einem "Gut" quittiert. 
Das Ganze zieht sich dann direkt ins Studium oder ins Berufsleben: Bloß keine Fehler machen. Wie oft bekommen wir von unseren Vorgesetzten oder Mitmenschen ein Lob und wie oft werden wir im Verhältnis auf Fehler aufmerksam gemacht? 

Was fühlt sich besser an? Ich denke, ein Lob - wenn es denn authentisch ist - fühlt sich eindeutig besser an. 

Reagieren oder agieren?

Wie machen wir das denn mit unseren Hunden?
Früher wurde ich erst aktiv, wenn mein Hund etwas in meinen Augen "Doofes" getan hat.
Dann kam ein Feedback, nämlich dass ich das nicht möchte. Mein Hund wusste zwar, dass mir etwas nicht passt. Da Hunde aber nicht so super "generalisieren" können wie wir Menschen, wusste er nicht, worauf sich mein Groll bezog. Lag es daran, dass er gerade einen Schritt nach vorne gemacht hat? Weil er gerade die Krähe angesehen hat? Das konnte er nicht wissen.

Wie kann man das Dilemma also auflösen damit man nicht immer erst aktiv wird wenn der Hund schon (in unseren Augen) einen Fehler gemacht hat sondern wie er lernen kann, was wir eigentlich von ihm wollen - darüber spreche ich im aktuellen Video. Hier kannst du es ansehen:

Der Fokus liegt auf Fehlern

Wir Menschen tun uns unheimlich schwer, Lob zu verteilen solange andere Menschen oder etwa unsere Hunde etwas gut machen. Sobald uns etwas nicht passt, fällt es eher auf und wir schenken diesem Fehler mehr Beachtung, als den wirklich wertvollen Verhaltensweisen. 

Dazu kommt, dass wir gelernt haben: Fehler machen ist doof.
Wir mögen doch bitte immer jede Situation unter Kontrolle haben. Daraus entsteht häufig eine Menge Druck, welcher unsere Beziehung zu unseren Hunden extrem belasten kann. Unter (subjektiv empfundenem) Druck reagieren viele Menschen impulsiver. 

Übrigens ist das bei unseren Hunden ganz genauso. Je gestresster sie sind, desto heftiger werden die Reaktionen unserer Hunde ausfallen.

Honorieren was gut ist

Durch "Korrigieren" -wie es so oft genannt wird- kann man lediglich Verhalten unterdrücken. Danach weiß der Hund aber immer noch nicht, was er zukünftig in ähnlichen Situationen tun soll.
Um ein neues erwünschtes Verhalten zu bekommen muss der Hund lernen können, was er in der jeweiligen Situation tun soll. Er muss die Möglichkeit bekommen, ein gutes Alternativverhalten zu lernen.

Wir können unseren Hunden also Feedback geben, wenn wir etwas toll finden. 

Je öfter ein Hund für Dinge belohnt wird, die er von sich aus "gut" macht, desto häufiger und länger wird er das immer wieder tun. 

Wenn wir also erreichen wollen, dass unser Hund nicht so weit von uns weg läuft ist der erste Schritt zu formulieren, was wir denn haben wollen.
"Mein Hund soll im Umkreis von 10 Metern um mich herum bleiben". Das ist ein greifbar formuliertes Verhaltensziel. Also können wir den Hund häufig belohnen, wenn er sich innerhalb dieses Radius' aufhält. 
Alleine dadurch, dass wir ihn zurückrufen oder sonst wie beeinflussen wenn er diesen Radius verlässt, kann er nicht lernen, was er denn tun soll. 

Statt nur einem "So bitte nicht" braucht jeder Hund die Möglichkeit ein "So geht es" zu lernen. Und das geht nur dadurch, dass sich etwas für den Hund lohnt. 

Perspektivwechsel

Mir fiel es anfangs wirklich schwer. Ganz ehrlich. Es war so ungewohnt für mich auf die Dinge zu achten, die mein Hund von alleine super macht ohne dass ich etwas sagen musste. Und zwischenzeitlich ist es so, dass sich dieser Perspektivwechsel auch auf ganz andere Bereiche meines Lebens ausbreitet wie ein Virus. Mir fällt es leichter, nicht das halbleere sondern das halbvolle Glas zu sehen. 

Den größten Effekt hatte dieser Perspektivwechsel allerdings auf die Beziehung zu meinem Hund. Erst dann merkte ich, wie viel Druck ich überhaupt aufgebaut hatte und wie sehr ich meinen Hund gehemmt hatte in seinem Verhalten. 

Jetzt freue ich mich über einen Hund, der freudig mitarbeitet, Spaß hat, neue Dinge zu lernen und der keine Angst mehr vor mir haben muss.

Ich habe gelernt, wie ich "Fehler" meines Hundes vermeiden kann, damit er nicht weiter das falsche Verhalten übt. Daneben pflastere ich ihm den Weg mit Hinweisen, was ich statt dessen gerne von ihm hätte.
Und das macht mir viel mehr Spaß als ständig ärgerlich auf Fehler zu reagieren oder diese gar zu provozieren.  

Wie geht es dir und deinem Hund? Wie ist eure Geschichte?