Hund im Dunkeln

Hunde in der Dunkelheit

  • 7. November 2017

Schon wieder befinden wir uns mitten in der dunklen Jahreszeit. ​Die Tage werden kürzer und so bleibt uns morgens und abends kaum Zeit, bei Tageslicht eine Gassirunde zu drehen. 

Vielleicht gehörst du auch zu den Hundehalter_innen, die in der Dämmerung oder in der Nacht mit ihrem Hund vor die Türe müssen. 

Seid ihr hier bereits "alte Hasen" und dein Hund kennt die Dunkelheit? Prima. 

Möglicherweise benimmt sich dein Hund im Dunkeln aber ganz anders, als du es von ihm kennst. 

Dann lies` unbedingt weiter.

Dunkelheit = mein Hund ist so anders!

Hatte dein Hund bisher nie Probleme mit Joggern und plötzlich wird der Jogger auf der Abend-Runde verbellt, die Rückenhaare deines Hundes stellen sich auf und du erkennst deinen Hund fast nicht wieder?

Wird die Mülltonne am Straßenrand zum Feind deines Hundes, welcher angebellt werden muss?

Ist dein Hund sehr hektisch, blickt sich oft um und springt schneller in die Leine wenn es dunkel ist?

Einige Hunde reagieren in der Dämmerung oder im Dunkeln extremer auf kontrastreiche Objekte und Bewegungen. 

Warum reagieren Hunde im Dunkeln krasser?

Hast du dich schon mal gefragt, wie dein Hund immer die Mäuse findet? Er erstarrt plötzlich am Wegesrand und fixiert eine bestimmte Stelle wobei du noch nicht mal das Wackeln eines Grashalms wahrgenommen hast.

Das liegt (zum einen daran, dass er besser hört, aber auch) daran, dass Hunde bereits kleinste Bewegungen viel besser sehen als wir Menschen.

Hunde können über ein 240 Grad Sichtfeld (zum Vergleich: unser menschliches Sichtfeld beträgt nur etwa 180 - 200 Grad.  

Hunde können also in einem größeren Bereich Bewegungen wahrnehmen als wir.

Hunde können auch Bewegungen wahrnehmen, die hinter ihnen stattfinden. Wir Menschen sind da deutlich eingeschränkter und können nur wenig hinter uns wahrnehmen.

Warum Rehe erstarren

Wenn Rehe Gefahren wahrnehmen bleiben sie sofort bewegungslos stehen. Das wird ihnen leider oft zum Verhängnis wenn sie auf Straßen stehenbleiben weil ein Auto schnell näher kommt. 

Grundsätzlich steigert das Stehenbleiben aber ihre Überlebenschancen, denn Raubtiere wie Hunde können sie so bewegungslos kaum wahrnehmen. 

Sofern das Reh nicht in unmittelbarer Nähe zum Hund steht ist diese Strategie erfolgsversprechend, denn Hunde sind verhältnismäßig kurzsichtig. 

Sobald sich das Reh aber bewegt beginnt unter Umständen die Verfolgungsjagd.

Denn trotz des schlechten "Scharfsehens" nehmen Hunde kleinste Bewegungen auch auf größere Entfernung sehr gut wahr. 

Das Auge unserer Hunde

Das hundliche Auge ist darauf spezialisiert, kleinste Bewegungen wahrzunehmen. Über diese Fähigkeit verfügen sie ebenfalls in der Dämmerung.

Vielleicht ist dir schon mal aufgefallen, dass Hundeaugen leicht reflektieren, ähnlich wie Katzenaugen wenn sie angeleuchtet werden.


Das "Feature", welches im Auge des Hundes für besseres Dämmerungssehen sorgt ist das tapetum lucidum (ich übersetze mal laienhaft mit "leuchtende Tapete"). Das hilft Hunden, Kontraste (hell/dunkel und bewegt/unbewegt) auch bei spärlichem Licht deutlich wahrzunehmen.

Im Farbsehen sind die Augen unserer Hunde nicht so gut. Sie nehmen Gelb- und Blautöne sehr gut wahr, grün und rot jedoch werden als grau/braun wahrgenommen. 

Hunde sind nahezu rot-grünblind.

Dinge in Blau und Gelb kann dein Hund viel besser wahrnehmen als rote oder grüne Gegenstände. Vielleicht wird das nächste Spielzeug blau? 

Ein roter Ball auf einer grünen Wiese ist deshalb eher eine Herausforderung für die Nase des Hundes - mit seinem Sehsinn wird er hier nicht weit kommen.

Was bedeutet das für die abendliche Gassitour?

Die Wahrnehmung deines Hundes verändert sich im Dunkeln. Bewegungen werden "krasser" wahrgenommen. Dabei kann die "Alarmbereitschaft" deines Hundes ansteigen und er findet bewegte Dinge erst einmal potenziell gefährlich. 
Auch wenn Jogger/Mülltonnen und anderes im Hellen für deinen Hund völlig uninteressant sind, kann er bei Dunkelheit hier Unsicherheiten entwickeln. 
Das liegt hauptsächlich an der veränderten Wahrnehmung bei Nacht. 


Das kannst du tun um auch im Dunkeln entspannt mit deinem Hund unterwegs zu sein:

  • Beobachte deinen Hund gut  sobald er etwas wahrnimmt - frühzeitig ruhig loben und anschließend ggf. für mehr Abstand zum "gruseligen Etwas" sorgen
  • lasse deinen Hund bei Dunkelheit immer angeleint und gut gesichert
  • Hast du bereits ein Markersignal aufgebaut? Super, setze es ein!
  • Sorge für zusätzliche Beleuchtung: Trage eine Stirnlampe
  • Statte deinen Hund mit gut sichtbaren Utensilien aus (z.B. Leuchthalsband*)
  • Verlangsame dein Tempo und lasse deinem Hund mehr Zeit, Dinge zu erkunden
  • Nutze Beschäftigungsinseln auf eurem Spaziergang
  • Dein Hund hat ein Lieblingsspielzeug? Dann lass es ihn doch tragen. Vielen Hunden hilft das zur Beruhigung
Wie du die häufigsten Fehler beim Clickertraining vermeidest und mit diesem starken Kommunikationsmittel deine Beziehung zu deinem Hund auf eine neue Ebene bringst:

Clickertraining erfolgreich einsetzen

Ist dein Hund im Dunkeln ständig gestresst und reagiert er immer heftiger?

Dann ist erst einmal Management gefragt. Verlege die Hauptgassistrecke wenn möglich ins Helle oder in beleuchtete Gebiete. Teste, ob dein Hund entspannter laufen kann wenn du eine Stirnlampe trägst und Teile des Weges gut ausleuchten kannst.

Hast du einen Garten oder gibt es einen kleinen Grünstreifen in der Nähe eures Zuhauses?

Prima, dann suche bei Dunkelheit diesen Grünstreifen nur für das nötigste Geschäft deines Hundes auf und gehe mit ihm anschließend wieder in die sichere Wohnung. 

Je nach Hund gibt es viele Möglichkeiten, die helfen. 

Du weißt nicht, wie du deinem Hund helfen kannst? 


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