Knallangst: Wenn „Schönfüttern“ nicht mehr hilft

  • 28. August 2018

Eigentlich ist das Thema Silvester noch einige Monate entfernt. 
Viele Hundemenschen haben bereits lange Zeit den Urlaub gebaucht. Und zwar in einem knallfreien Domizil abseits der Zivilisation über Silvester.

Es ist extrem belastend, wenn der eigene Hund sich bei Knallgeräuschen oder Gewitter hinter die Schränke schiebt, sich im Bad verkriecht, zittern, hechelt und speichelt, dabei tonnenweise Haare verliert und nach dem Knallereignis vor Erschöpfung einen halben Tag verschläft. 

Ich habe von vielen Hundemenschen erfahren, die alle möglichen Tipps ausprobiert haben:

  • gute Laune wenn es knallt
  • die Angst ignorieren
  • Leckerchenparty wenn es knallt
  • Font Awesome Flag
    den Hund ganz festhalten
  • Font Awesome Flag
    und vieles mehr...

Geholfen hat jedoch nichts so wirklich. 

Es gibt aber Möglichkeiten, dem Hund trotzdem zu helfen. Wie das Training aussehen kann erfährst du weiter unten. 

Warum nichts mehr hilft

Angst ist eine wichtige und mächtige Emotion:

Angst sorgt dafür, dass unser Überleben gesichert ist und wir keine unnötigen Risiken eingehen, die unsere Existenz bedrohen.

Angst ist also existenziell und vor allem: Angeboren.  

Deshalb können Hunde, die Angst haben weder Fressen noch Spielen oder sich mit anderen Dingen beschäftigen. Die Angst sorgt dafür, dass der Körper zu Höchstleistungen bereit ist um entweder zu fliehen oder anzugreifen. 

Angeborene Angstauslöser sind:

  • neue Dinge (Unbekanntes könnte gefährlich sein!)
  • schnelle Bewegungen auf den Hund zu
  • laute Geräusche (Knall, Gewitter, Feuerwerk usw.)
  • Schmerzen
  • ungewöhnlich intensive Reize (lauter, heller, näher als bekannt usw.)

Wenn wir uns um den Bereich der Geräuschangst kümmern gibt es eine Besonderheit:

Bei Geräuschen wie Gewitter oder Feuerwerk ist eine Flucht nicht möglich, auch ein Angriff nicht, denn der Angstauslöser kann nicht geortet werden. 

Diese Erfahrung führt schnell dazu, dass die Angst zunimmt. Der Hund hat keine Verhaltensstrategie, die ihm Sicherheit verschafft. 

rocket

Keine Sorge, du kannst Angst nicht "belohnen". In diesem Blogbeitrag erfährst du, was dahinter steckt:

Angst zieht Kreise

Zudem versucht das Hundehirn nach Ankündigungen für diese Angstauslöser zu suchen.

Es lernt schnell: "Bei Gewitter sind die Wolken dunkel, es geht Wind." So passiert es schnell, dass der Hund bereits Angst hat, wenn am Himmel dunkle Wolken auftauchen oder es sehr windig ist.

So "zieht Angst Kreise" und die Liste der Angstauslöser wächst schneller als uns lieb ist. 

Was kannst du also tun, um deinem Hund zu helfen?

Training bei Geräuschangst

Das Auftreten der Geräusche können wir schlecht vorhersehen oder gar planen. Sei es eine zuschlagende Türe, etwas, das herunterfällt, ein Gewitter oder ein Feuerwerk einer Veranstaltung - diese Dinge sind für uns nicht planbar.

Das macht das Training etwas besonders. Denn nur mit "Füttern" nach dem angstmachenden Geräusch ist es hier nicht getan. 

Mit diesen Schritten kann den Hunden geholfen werden:

Basis

  • Gesundheit checken (besonders plötzliche Geräuschempfindlichkeit hat oft gesundheitliche Ursachen)
  • Sicherheitsbereich trainieren (Rückzugsmöglichkeit mit entspannenden Dingen verknüpfen)
  • Entspannungstraining
  • freundlicher Umgang ohne Bedrohung für den Hund
  • Spieltraining
  • Training eines Verhaltens, welches bei Geräuschen ausgelöst wird z.B.:"Lege dich in deinem Sicherheitsbereich hin"

Intensiv-Training

  • allgemeine Geräusche mit neuer "Verhaltensstrategie" des Hundes verbinden
  • Wichtig: eingesetzte Geräusche haben zunächst nichts mit dem Angstauslöser zu tun
  • langsame Annäherung der Geräusch-Art an angstauslösende Geräusche
  • Gegenkonditionierung bei plötzlich auftretenden Geräuschen
  • Unterstützung durch Entspannungsauslöser (Adaptil, Entspannungsduft, Thundershirt, TT-Körperbänder)

Wenn es plötzlich knallt

Auch während eines strukturierten Trainings wird es immer wieder zu kleinen Rückschritten kommen weil die Angstauslöser nie vollständig kontrolliert werden können. 

Während des Trainings ist es deshalb gut, immer etwas ganz besonders Leckeres dabei zu haben und mit dem Hund einen bestimmten Trick oder ein Spiel gut geübt zu haben, der ihm sehr viel Spaß macht.

Knallt es, folgt sofort das Angebot einer außergewöhnlichen Leckerei und/oder der tolle Trick wird abgefragt. 

Sollte sich der Hund noch nicht darauf einlassen können kann ein Stück gemeinsames "Flüchten" (natürlich gesichert an Geschirr und Leine) helfen. Nach einigen Metern bietet man dem Hund erneut die Leckerei an oder fragt den Trick ab. 

Diese Maßnahme wird allerdings nur ergänzend helfen. Sie wird nicht ausreichen, um die schon bestehende Geräuschangst des Hundes erfolgreich zu bekämpfen. 

Diese Form von Training zahlt sich extrem aus. Es lohnt sich, hier strukturiert dran zu gehen und über einen längeren Zeitraum gezielt die Bausteine des erfolgreichen Trainings umzusetzen. 

Gerade jetzt ist eine perfekte Zeit, um deinen Hund auf Silvester vorzubereiten. Du hast genügend Zeit, das nötige Management zu starten, einen Plan zu machen und diesen dann Schritt für Schritt umzusetzen.

Willst du jetzt starten und endlich die richtigen Dinge umsetzen damit dein Hund dieses Silvester ruhiger erlebt und auch mit anderen Geräuschen endlich kein Problem mehr hat?

Hier erfährst du, wie die
Silvester-Masterclass abläuft.

Wenn du wissen willst, ob du mit deinem Hund für die Silvester-Masterclass geeignet seid, sende mir eine kurze eMail an erik@der-dogwalker.de.