Draußenzeit mit Hund

Gassi Gehen und Draußenzeit: Ein Unterschied?

  • 27. Mai 2017

“Mit dem Hund raus gehen” ist eine bekannte Phrase oder auch “Eine Runde Gassi gehen”.

Wir Menschen mögen Runden:

  • wir machen Rundwanderungen
  • wir machen Rundfahrten
  • wir laufen “eine Runde”
  • wir drehen mit dem Rad “eine Runde”
  • Auf Runden haben wir unterwegs immer neue Eindrücke und sehen neue Landschaften
  • und freuen uns auch sonst wenn es rund läuft

Menschen gehen mit Hunden “Gassirunden”. Schließlich brauchen Hunde Bewegung, generell viel Auslauf und immer neue Eindrücke.

Mit diesen Phrasen im Hinterkopf gehen Hundehalter mit ihren Hunden oft und ausdauernd Runden. Vielen Hunden kann es Sicherheit geben, wenn ihr Mensch mit ihnen immer die selbe Runde geht.

Sie wissen was kommt, kennen die Umgebung und Ausgangs- sowie Endpunkt ist klar. Sie können relativ gelassen mit ihrem Mensch die Runde gehen, sie können schnüffeln, sich mit der Umwelt beschäftigen und vielleicht sogar mal ohne Leine laufen.

Dann gibt es Hunde, die auf ihrer “Runde” oft am Ende der gespannten Leine hängen, nur im Schnellgang unterwegs sind und mit dem Etikett “reaktiv” versehen werden.

Du möchtest gleich erfahren, wie du aus deiner Runde eine Draußenzeit machen kannst? Scrolle ans Ende des Textes, dort findest du Ideen die du direkt umsetzen kannst.

Weniger ist manchmal mehr

Stell dir vor, du bist in einem fremden Land, beherrschst die Sprache nicht, bist der örtlichen Benimmregeln nicht mächtig und kannst dich mit den Einheimischen kaum verständigen.
Dann ist so eine Stadtrundfahrt echt anstrengend und du bist anschließend froh, wieder im sicheren Hotelzimmer zu sein.

Hat ein Hund draußen Mühe mit anderen Hunden oder Kindern, vielleicht generell mit Menschen oder Fahrzeugen kann ein Spaziergang zum Spießrutenlauf werden.

Neue Eindrücke und Reize könnten potenziell gefährlich sein. Häufig halten Hunde, die mit ihrer Umwelt hin und wieder Probleme haben unterwegs Ausschau nach Hinweisen, die Gefahren ankündigen.

Hat der Hund da vielleicht das Brummen eines Traktormotors gehört? Oder das Klirren einer Hundemarke hinter der nächsten Ecke. Das ist anstrengend und fühlt sich nicht unbedingt gut an. 

Solche Hunde können von einer Alternative zur klassischen Gassirunde profitieren. Je nach Hund kann eine Kürzung der Gassirunde bereits eine Entlastung bringen.

Bereits kleine Änderungen können helfen. Vielleicht ist ja hier etwas für dich und deinen Hund dabei: 

Draußenzeit

Der Begriff stammt nicht von mir, beschreibt er aber doch das, was ich wirklich gerne mit vielen Hunden tue: Draußen Zeit verbringen. Dieser Begriff lässt etwas mehr Freiraum in der Gestaltung als die “Gassirunde”. Man muss keine Runde gehen. Man kann einfach so draußen eine gute Zeit verbringen.

Was geschieht draußen für den Hund? Was tut er? Es ist mehr als nur Pinkeln und lösen. Für den Hund besteht die Chance auf

  • Freude an der Bewegung ausleben
  • “Zeitunglesen”
  • Erkunden der Umwelt
  • Spaß mit der Bezugsperson
  • ggf. Kontakt zu Artgenossen

und nicht zuletzt erfüllt es oft für die Menschen ebenfalls das Bedürfnis nach Sozialkontakten z.B. mit anderen Hundehaltern. 

Überschattet werden die schönen Dinge von “Auslösereizen”. Das sind solche Reize, auf die ein Hund unentspannt reagiert, etwa mit Angst- oder Aggressionsverhalten. Das macht keinem Hund Spaß, vielmehr belastet es ihn.

Je belasteter ein Hund in seiner Umwelt ist, desto wertvoller sind gute Draußenzeiten.

One Way Strecke

Ist eine Runde wirklich immer das beste? Könnte nicht auch eine One-Way-Strecke ein Gewinn für einen Hund sein?

Gerade bei leicht gestressten Hunden kann es extrem entschleunigend wirken, wenn man einfach mal nach etwa kurzer Zeit umdreht und exakt den selben Weg wieder zurück geht.

Der Hund kann sich lösen, hat nicht so wahnsinnig viele neue Eindrücke erhalten und kommt ohne aufregende Vorkommnisse wieder in die sichere “Homezone”. Das kann auch mal ganz entspannend sein.

Auf ihn strömen dann nicht dauerhaft neue Reize ein denn er hat viele Gerüche auf der Strecke bereits in der Nase gehabt. Vielleicht schafft er es dann, sein Tempo etwas zu reduzieren. 

Ich beobachte viele Hunde, die dann deutlich entspannter laufen, die Leine ist häufig lockerer, sie können sich mehr Zeit für Umwelterkundung nehmen und wirken allgemein nicht mehr so sehr gestresst.

Zeit für den

Gassi gehen

Makeba albert mit mir herum. Qualitätszeit mit Hund.

Hund

Hunde verbringen oft den Großteil des Tages ruhend oder dösend zuhause in einem eingeschränkten Bereich, bleiben alleine und haben oft nur verhältnismäßig wenig Zeit, sich draußen zu bewegen. Deshalb gehört die begrenzte Zeit draußen meinem Hund.

Beim Gassi gehen darf er im erlaubten und sicheren Rahmen seinen Hobbies nachgehen, er darf sich wenn möglich entscheiden, wo er hinlaufen mag – letztlich halte ich die Leine.


Mir ist wichtig, dass er Entscheidungen selbst treffen kann, wo es möglich ist. Hier muss übrigens niemand Sorge haben, dass ein Hund “aufsässig” werden würde, weil er einmal etwas entscheiden darf.

Wir als Menschen bestimmen doch ohnehin schon den kompletten Tagesablauf des Hundes angefangen damit, wo er schläft, wann und was er frisst und wo und wann er das Gefressene wieder ausscheiden darf.

Pausen

Probiere mal aus, einfach an einen schönen Ort mit deinem Hund zu gehen, nimm dir eine Decke mit und beobachte mit ihm die Umgebung.

Mache ganz bewusst kleine Pausen. Wenn dein Hund Probleme hat, unterwegs stehen zu bleiben, gewöhne ihn durch Suchspiele daran, mehr stationär zu bleiben. Baue Suchaufgaben in einem kleinen Bereich ein.

Hab’ Spaß unterwegs mit deinem Hund, lasse ihn Hundekram machen und ermögliche ihm ein bis zweimal die Woche eine Bummelrunde, ohne dass du all zuviel von ihm erwartest UND ohne dass ihr ständig mit Auslösern rechnen müsst.

Das sorgt für Entspannung und macht Spaß.

Ganz tolle Dinge habe ich mit meinem Hund schon entdeckt, als ich einfach mal hinter ihr her gelaufen bin. Ich hatte sie durch eine lange Leine gesichert, mich aber nicht eingemischt wo sie hingehen soll.

Wenn Hunde einmal selbst entscheiden dürfen, wo sie gerne hin gehen wollen ist es sehr spannend zu beobachten, wie sie sich bewegen.

Selbstbestimmung gibt Sicherheit

Ihr mögt Gassi gehen?

Dann baue auf eurer Gassi-Runde verschiedene Aktivitäts-Inseln ein:
An der Wiese neben der dritten Kreuzung spielt ihr z.B. immer Ball. Du wirst sehen, dass dein Hund nach wenigen malen in freudiger Erwartung zur Wiese läuft und in Spiellaune auf dich wartet.

Das ist eine tolle Sache, weil die Emotion des Hundes da sehr positiv gestimmt ist. Allerdings solltest du dann auch tatsächlich mit ihm Ballspielen. Ansonsten wird es für deinen Hund sehr frustrierend.

An einer anderen, immer gleichen Stelle kannst du Suchspiele machen. Auch hier wirst du nach kurzer Zeit beobachten, wie dein Hund in eine entsprechende Stimmung gerät wenn es auf diese Stelle zu geht.

Zum Ausprobieren:

Nimm dir 1 oder 2 Tage pro Woche für etwas Neues:

Gehe 10-20 Min in eine Richtung und drehe danach wieder um. Lauft dann den selben Weg wieder zurück. Fällt dir am Verhalten deines Hundes ein Unterschied zum Hinweg auf?

Wenn du mit deinem Hund gerne Runden gehst, baue doch immer an der selben Stelle Inseln für spezielle Beschäftigungen auf.

An einer Stelle machst du ab sofort zum Beispiel immer Wurfspiele, an einer anderen lässt du deinen Hund etwas suchen.

Nimm dir Zeit für deinen Hund und laufe einfach mal an einer langen Leine hinter ihm her. Schau was er tut, wo er hin mag, wie sehr er sich mit seiner Umwelt beschäftigt. Das kann ungemein entschleunigen und du entdeckst vielleicht einige neue Seiten an deinem Hund. 

Baue langsame, stationäre Momente in eure Draußenzeit ein. Lass deinem Hund Zeit zur Erkundung. Beschäftige ihn draußen mit etwas ruhigem. Nimm vielleicht sogar mal einen gefüllten Kong und eine Decke mit. Kann er sich draußen darauf einlassen? Super!

Vorsicht: Wenn dein Hund sehr hibbelig ist kann ihn plötzliches Stehenbleiben und Nichtstun überfordern. Hier ist kleinschrittiges Üben mit ganz kurzen Sequenzen notwendig um deinen Hund nicht in unerwünschtes Verhalten wie Bellen zu bringen. 

Spielt zusammen, habt Spaß und leert den Trainingskopf auch mal. Verwende deine Signale sparsam und nur dann, wenn sie wirklich nötig sind.

Sonntags ist unser Tag, an dem wir wirklich nichts trainieren. Wir fahren an einen Ort, der recht wenig frequentiert ist und an dem wir anderen Hunden z.B. gut ausweichen können und Kontakt vermeiden können. Hier haben wir eine unbelastete Zeit und spielen zusammen, untersuchen Dinge oder sitzen einfach auf einer Decke und beobachten die Umgebung. Das ist dann keine Gassirunde sondern einfach Draußenzeit. Auch wenn wir keine 7 Kilometer gelaufen sind, unser Hund ist danach trotzdem müde und zufrieden.

Über deinen Erfahrungsbericht freue ich mich sehr.

Viel Spaß beim Testen!