Hund müde machen

„Du musst ihn richtig müde machen!“

  • 7. Oktober 2017

Hast du das auch schon mal als "Tipp" bekommen, wenn es darum geht warum dein Hund "rumspinnt"? 

Laste ihn mehr aus, beschäftige ihn mehr, geh' länger mit ihm Gassi und mach' ganz viel Unterordnung.

Solche "Tipps" gehören immer noch zum Alltag. Häufig sollen schon Welpen richtig ausgelastet werden damit sie zuhause endlich schlafen. Aber ist das tatsächlich der richtige Weg?

Das Problem mit mehr Auslastung

Wann wird zu mehr Auslastung geraten?
Meistens dann, wenn Hunde unerwünschtes Verhalten jeglicher Art zeigen.

Häufig geht es um Leinenaggression, Jagdverhalten, vermehrtes Bellen oder bei Welpen um die Schnapp-Schildkröten-Attacken.

Müde machen könne man den Hund dann mit noch mehr Bewegung, Ballspiel, langes Laufen am Fahrrad oder häufige Unterordnungsübungen. 

Viele Hunde können sich nicht ausruhen. Ruhe und Schlaf ist aber elementar wichtig um die alltäglichen Erlebnisse zu verarbeiten.

Das Ruhe- und Schlafbedürfnis der meisten Hunde beträgt zwischen 15 und 18 Stunden pro Tag. Welpen schaden auch 1-2 Stunden zusätzlich nicht. 

Stress kann viele Ursachen haben:

Viele Umweltreize, viele Hundebegegnungen (oder wenige richtig doofe), Schmerzen, Frustration, Mehrhundehaltung, Ängste und sogar Unterforderung - was aber eher selten ist - ...die Liste ist lang.

  • Umweltreize wie Autos, andere Tiere, Menschen
  • Angstauslöser wie bestimmte Gegenstände, Gewitter, Knallgeräusche
  • Einsatz von Strafen und unklare Kommunikation
  • Bewegungseinschränkung (etwa durch die Leine)

Nach müde kommt doof

Im Prinzip einfach: Wenn dein Hund "drüber" ist wird er doof. Mit doof meine ich, die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund in unseren Augen unerwünschtes Verhalten zeigt, steigt deutlich.

Hunde, die nicht genug ruhen können reagieren schneller und heftiger auf bestimmte Situationen. Sie können sich schlechter konzentrieren und nicht mehr so gut lernen.

Im Prinzip wie bei uns Menschen. Wenn ich eine Nacht nur 4 statt 7 Stunden geschlafen habe möchte ich am nächsten Tag nicht direkt in ein Meeting mit anschließender 4 stündiger Autofahrt welche mir viel Konzentration abverlangt. 

Viele Hunde haben nicht lernen können, dass Ausruhen eine Option ist. Bewegung ist meistens selbstbelohnend und fühlt sich gerade dann für Hunde gut an, wenn sie Stress haben.

Mehr Bewegung führt aber in aller Regel nicht zu mehr Entspannung sondern eine Summation weiterer Eindrücke, die alle nicht mehr oder nur teilweise verarbeitet werden können.

Und dann steigt schlicht die Aufregung und damit auch die Reaktivität des Hundes.

Allerdings - es kann durchaus eine Option sein, mit gleichmäßiger Bewegung den Stress "abzulaufen". Hier kommt es aber sehr auf den Hund drauf an und auf dessen gesundheitliche Verfassung.

Bei sommerlichen Temperaturen ist es schlicht fahrlässig tagsüber Ausdauersport mit Hunden zu betreiben.

"Aber früher hat auch keiner auf Entspannung geachtet"

Musste man auch nicht. Denn "früher" - also sagen wir vor 10-40 Jahren - wurden an Hunde nicht so eine Menge Anforderungen gestellt wie in unserer aktuellen Zivilisation.

Jetzt sollen sich unsere Hunde benehmen, in einem sehr dicht besiedelten Gebiet friedlich mit Menschen und allen Tieren klar kommen, nicht oder nur wenig bellen, überall mit hin können, Autofahren, an dicht befahrenen Straßen an lockerer Leine laufen, jeden Menschen freundlich begrüßen oder einfach ignorieren, spielende und laute Kinder ignorieren, Nachbars Katze ignorieren und auf grabschende Hände fremder Menschen freundlich reagieren.

Eine Menge Eindrücke und Reize also, denen unsere Hunde je nach Wohnsituation mehr oder weniger intensiv ausgesetzt sind.

Die Anforderungen an Hunde waren vor einigen Jahren noch andere. 
Jetzt - als Alltagsbegleiter - ist Hund-Sein oft ein sehr anstrengender Job. 

Wenn du dir denkst, du müsstest deinen Hund mehr beanspruchen damit er endlich richtig müde wird, dann lohnt sich ein Blick in die andere Richtung.

In den allermeisten Fällen braucht dein Hund dann einfach mehr Entspannung.

Es gibt neben "Schlafen" und "Ruhen" aber noch andere Möglichkeiten, wie du deinen Hund entspannen kannst. 

Möglichkeiten zur Entspannung

Es gibt zum Glück eine ganze Menge wunderbarer Möglichkeiten, mit denen du deinen Hund unterstützen kannst, stressige Situationen besser zu verarbeiten und auch langfristig gut damit klar zu kommen.

Neben genügend Ruhe und Schlafphasen - auch über den Tag verteilt - helfen euch folgend Dinge, Stress bei deinem Hund abzubauen:

  • einfache Suchspiele ohne Bleib- oder Warteübungen
  • "Hund" sein dürfen - Schnüffeln und Erkunden in sicherem Gelände und ohne ständige Unterbrechung durch den Menschen
  • Verzicht auf unangenehme Einwirkung im Umgang mit dem Hund
  • angle-double-right
    Dinge zerreißen oder zerfleddern dürfen
  • angle-double-right
    Massagen
  • angle-double-right
    Streckübungen

Du merkst sicher schon, es geht viel darum, dass die Hunde einmal ihre Bedürfnisse ausleben können ohne ständig unterbrochen oder daran gehindert zu werden. Denn gerade diese häufigen Unterbrechungen und Abbruch von Verhaltensweisen, die unsere Hunde gerade tun wollten oder bereits begonnen haben ist sehr frustrierend. Und Frust fühlt sich nicht gut an. 

Deshalb achte ich bei allen schönen Dingen darauf, dass mein Hund keine Fehler machen kann. Ich gestalte die Umgebung so, dass nichts Doofes passieren kann und mein Hund keine Gehorsamsübungen zeigen muss. Denn die erfordern wieder Impulskontrolle und erhöhen die Anspannung. Und das wollen wir ja eigentlich nicht.

Mache dir also einmal Gedanken darüber, wo du deinem Hund eine Art Abenteuerspielplatz haben kann und er sich nach Lust und Laune beschäften kann. 
Oder du bereitest ihm zuhause eine kleine Kiste mit lauter Dingen, die er zerfetzen, fressen, ausräumen, aufstöbern und zerkauen kann ohne dass du ihn dabei unterbrechen musst.

Das ist richtige aktive Entspannung und mindestens so wertvoll wie Ausruhen. 

Jetzt viel Spaß beim Überlegen und beim Beobachten deines Hundes bei seiner "aktiven Erholung".

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