hund bellt

Dein Hund bellt wenn es klingelt?

  • 12. Februar 2018

Die Klingel ist für deinen Hund der Startschuss für ohrenbetäubenden Lärm und Gebrüll in Verbindung mit schlitternd zur Türe rasen?

Du lädst kaum noch Besuch zu dir ein, weil dein Hund jedesmal völlig aus dem Häuschen ist?

Hast du schon darüber nachgedacht, die Klingel abzustellen?

Dann ist eines ganz klar:

Dein Hund hat mit der Klingel riesig viel Aufregung verknüpft.

Warum die Klingel Aufregung auslöst

Die Klingel ist ein deutlicher Kontrast zu den sonstigen Alltagsgeräuschen. Sie kommt nicht so häufig vor. 

Auf solche "Kontraste" reagieren unsere Hunde naturgemäß sowieso stärker.

Etwas, das plötzlich in der Umwelt auftritt sorgt immer dafür dass der Hund seine Aufmerksamkeit dort hin lenkt um zu erkunden welche Bedeutung der "Reiz" für ihn hat.

Nach dem Klingeln ist aus Sicht des Hundes Vieles möglich:

  • fremde Menschen an der Haustüre
  • fremde Menschen in der Wohnung
  • bekannte Menschen an der Haustüre
  • bekannte Menschen kommen in die Wohnung
  • sein Besitzer läuft plötzlich schnell zur Türe

Hunde haben also erst mal keine Ahnung was passiert - sie wissen nur, DAS etwas passiert. 

Unsicherheit stresst. Und Stress sorgt für Aufregung.

Wenn dein Hund nun bellt und ebenfalls zur Türe läuft wirst du auf irgendeine Art und Weise auf ihn reagieren. 

Vielleicht schiebst du ihn von der Türe weg, möchtest ihn auf seinen Platz schicken und willst aber den Besuch so schnell wie möglich herein lassen. 

Da ist Hektik, noch mehr Stress und Ärger vorprogrammiert.

Die Ursache fürs Bellen beim Klingeln

Die eine Ursache gibt es nicht. Fast immer ist es eine bunte Mischung aus:

  • Stress
  • Aufregung
  • Unsicherheit
  • erlerntes Verhalten

Übrigens ist Bellen evolutionär ein sinnvolles Warn-Instrument um die Gruppenmitglieder vor einer möglichen Gefahr zu warnen. Das typische "Anschlagen" ist also erst einmal völlig normal. 

Unter Hunden gibt es natürlich Vertreter, die sensibler auf Eindringlinge reagieren als andere Hunde. 

Für das Training ist es jedoch völlig unwichtig, welches Etikett ein Hund bekommt.

Ob er jetzt "territorial", "dominant", "unsicher" oder "aufsässig" sei bringt uns beim Training nicht weiter. 

Einfacher und fairer dem Hund gegenüber ist es, wenn man sich das Verhalten genau anschaut und sich überlegt, welche Emotion und welches Bedürfnis des Hundes dahinter steckt. Denn dann kann man sich überlegen welches Verhalten man zukünftig lieber beim Hund sehen möchte und wie man dort hin gelangt. 

Wie kehrt wieder Ruhe ein?

Hier erfährst du einen kleinen Einblick in einige Bausteine des Trainings bei Klingel-Chaos. Natürlich ist das kein Rezept und wie immer nicht in jeder Situation anwendbar.

Zwei Dinge sind wichtig:

Management und Training

Management um zu verhindern, dass dein Hund weiter das Verhalten ausführen kann welches du nicht haben möchtest

und

natürlich Training, damit er lernen kann was er stattdessen tun soll wenn es klingelt. 

Frage dich, wo dein Hund schon "auslöst":

Ist es die Klingel oder wird er erst aktiv wenn du zur Türe läufst?

Bellt er bereits sobald er eure Gartentüre aufgehen hört?

Was passiert, wenn die Post eingeworfen wird?

Je nach dem beginnst du mit dem Training dort, wo dein Hund als erstes reagiert.

Welche Trainingsmöglichkeiten?

Alles, was Stress, Frust, Angst und Aufregung senkt ist für das Training herzlich willkommen. 

So nicht: Discs, Wasser, Zischen, Strafen


Dein Hund ist offenbar sehr aufgeregt. Stell dir vor, dein Hund wird mit Wasser besprüht nach dem es geklingelt hat. 
Er erschrickt sich furchtbar dabei. 

Denkst du, er wird das nächste mal entspannter sein wenn es klingelt? Sicher nicht. Denn nach dem letzten Klingeln ist was sehr Unangenehmes passiert. Er erwartet also etwas Doofes und das treibt die Aufregung weiter in die Höhe.

Außerdem wird er NICHT verknüpfen können, dass das Wasser jetzt wegen seinem Bellen kam. 

Jede Form von Strafe erhöht den Stress. Und Stress setzt oft einen Kreislauf in Gang, den wir gar nicht wollen:
Mehr Aufregung bei Besuch, vielleicht andere Verhaltensweisen (bisher wurde der Besuch nur angebellt, jetzt wird geknurrt und fixiert).


Mit dem Versuch, diese Verhaltensweisen "zu unterbinden" durch die Anwendung aversiver Mittel wird man langfristig nicht weit kommen und vor allem keinen entspannten Hund bekommen. 

Gegenkonditionierung der Klingel

Hat dein Hund die Klingel als Startsignal fürs Durchdrehen bist du in diesem Abschnitt richtig.

Wir sorgen dafür, dass die Klingel für deinen Hund eine andere Bedeutung bekommt. 

Hilfreich ist für den Start, wenn du den Klingelton per Handy aufnimmst und damit erst einmal loslegst. 

Für Härtefälle sollte die echte Klingel vorübergehend außer Betrieb genommen werden. 

  • Klingel = Mega-Ober-Geniales Kauteil auf dem Hundeplatz

In Zukunft bekommt dein Hund bei jedem Klingeln etwas Tolles auf seinem Platz.
Egal ob er erst einmal zur Türe stürmt oder einen Sprungwettbewerb veranstaltet.

Die Botschaft für ihn lautet nach jedem Klingeln:

Klingel = es wartet etwas super Tolles auf deinem Platz

Natürlich sollte sein Platz nicht direkt im Flur oder neben dem Eingang sein. 😉

Was erreichst du damit?

Damit erreichst du, dass dein Hund das Klingelgeräusch als Signal für "auf seinen Platz gehen" lernt. 

Ganz nebenbei verbindet er mit der Klingel angenehme Gefühle, weil auf die Klingel jetzt immer etwas ganz Tolles folgt. 

Natürlich musst du ihm erst einmal zeigen, dass er dort etwas Tolles bekommt. Ganz oft ist die Aufregung auch erst mal viel zu hoch um Fressen zu können.

Wichtig ist, hier am Ball zu bleiben! Biete deinem Hund konsequent nach jedem Klingeln etwas an dieser einen Stelle an. 

Ein einziges Leckerchen wird euch da übrigens kaum helfen. Die meisten Hunde haben das Leckerchen bereits geschluckt bevor ich "nimms dir" gesagt habe. Und dann wird der Hund sicher gleich wieder zur Türe laufen. 

Wollen wir nicht. 

Also muss eine Art Dauerlutscher her, der den Hund eine ganze Weile beschäftigt:

Fremde sind doof!

Hat dein Hund Mühe wenn fremde Menschen im Haus sind reicht natürlich ein Gegenkonditionieren der Klingel nicht.

Denn nach dem Klingeln kommen ja die (für deinen Hund komische) Menschen herein. 

Hat dein Hund Angst oder reagiert er mit Aggression ist besonderes Management und intensives Training gefragt.

Am besten unter der Anleitung eines kompetenten Trainers.

Ziel ist hier übrigens nicht, das Verhalten des Hundes einfach zu verbieten (reine Symptombekämpfung) sondern so zu trainieren, dass der Hund mit Besuch gut klar kommt ohne dass er gehemmt oder bestraft wird. 

Knurren ist Kommunikation. ​(Mehr dazu im Beitrag "Hilfe mein Hund knurrt!")

Ein Hund der knurrt sagt deutlich, dass er zum Beispiel mehr Abstand haben möchte oder die schnellen Bewegungen des Besuchs gruselig findet.  

Reagiert dein Hund mit Aggression auf Besucher geht Sicherheit vor:

Entweder strikte räumliche Trennung von Hund und Besuch oder ein Maulkorb wird nett auftrainiert und der Hund im Training gesichert.

Ziel von Besuchertraining sollte hier sein, dass der Hund lernt, sich in Anwesenheit fremder Menschen zu entspannen. 

Dabei hilft eine tolle Entspannungszone für deinen Hund, die auch gleichzeitig seine Sicherheitszone ist. 

Mit Training kann man erreichen, dass der Hund auch nach und nach entspannt in seiner Sicherheitszone sein kann auch wenn Besuch da ist. 

Natürlich kommt das auf den einzelnen Hund an. Manche Hunde kommen mit einem Sicherheitszimmer in den kein Besuch kommt besser zurecht. 

Entspannung

Dein Hund sollte eine Zone in der Wohnung haben, in der er sich super gut entspannen kann und in der er sich sicher fühlt.

Du kannst mit deinem Hund trainieren, dass er in diese Zone geht wenn Besuch kommt oder es klingelt. 

Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Gerade wenn viel Aufregung mit der Klingel-Situation verbunden ist und dein Hund vielleicht schon Monate oder Jahre riesige Aufregung mit der Klingel verknüpft hat löst sich diese Aufregung nicht über Nacht.

Hat dein Hund gelernt, dass er sich in seiner Zone entspannen kann, steigerst du langsam aber sicher doch die Ablenkung.

Erst bewegst du dich durch die Wohnung während dein Hund in seiner Zone ist, dann vielleicht dein Partner oder Kinder.

Kann dein Hund dabei immer noch entspannt liegen bleiben kommen irgendwann Besucher dazu. 

Zum Start bittest du den Besuch ohne zu klingeln herein. Super wäre es, wenn dein Hund den Besuch kennt und mag. 

Du bringst deinen Hund in seine Entspannungszone und gibst ihm dort etwas Tolles zur Beschäftigung. 

Wenn dein Hund zur Ruhe gekommen ist, beginnt der Besuch sich durchs Zimmer zu bewegen, ihr setzt euch an einen anderen Tisch usw. Die Bewegung und die Ablenkung sollte aber immer nur so gesteigert werden, dass dein Hund entspannt liegen bleiben kann.

Mit Management und geplantem Training zu Erfolg

Training scheitert häufig dann, wenn man im Alltag einiges umstellen muss um zum Erfolg zu kommen. 

Bei der Klingel-Thematik kommt noch eines hinzu:

Sozialer Kontakt von uns Menschen. Damit wir unseren Hund unterstützen können müssen wir unseren Besuch vielleicht eine Weile an der Türe warten lassen um den Hund "zu managen". 

Dazu bekommt der Besuch strikte Anweisungen, wie er sich dem Hund gegenüber zu verhalten hat.

Möglicherweise wurde die Klingel abgestellt und jeder der herein möchte muss erst mal übers Handy anrufen.

Das sind für viele Menschen einige Hürden. 

Ich bin mir sicher, für jeden Hund lohnt sich Training wenn er dann am Ende entspannter und gelassener bleiben kann. 

Es ist wie so häufig die Frage, was wir Menschen bereit sind zu tun. Leider gibt es die Pille für den Sofort-Erfolg nicht. 

Sei bitte immer skeptisch, wenn dir erzählt wird das Problem sein nach einer Trainingsstunde für alle Zeit behoben.

Dabei wird es häufig um aversive Methoden gehen, die vielleicht hübsch verpackt sind aber deinem Hund in keiner Weise helfen besser mit der Situation klar zu kommen.

Den Hund zu hemmen und einzuschüchtern mag oberflächlich betrachtet oft "funktionieren", aber nicht zum Wohl des Hundes.

Abgesehen davon:
Wenn mal keiner da ist um den Hund zu hemmen wird er es wieder genauso machen wie er es nicht machen sollte.

Einfach weil er nicht gelernt hat, was er stattdessen tun soll.
Er hat durch Hemmung nur erfahren, das es besser ist gar nichts zu tun. Damit kann er der Bedrohung durch den Menschen entgehen. 

Natürlich ist es jedem selbst überlassen, wie er mir seinem Hund umgeht und welche moralische Verpflichtung man der Verantwortung für ein Tier beimisst. 

Hier auf dieser Seite, in meinem Training und im Dogwalking trainiere ich freundlich mit meinen Hunden, bringe die Techniken der positiven Verstärkung bei und verzichte auf Hemmung, Straf- und Schreckreize. 

Dennoch werden unerwünschte Verhaltensweisen schnell und schonend unterbrochen. Das geht auch ohne Strafe.

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