Trennungsstress – Wenn der Hund nicht alleine bleiben kann

Trennungsstress ist eine riesige Belastung - nicht nur für den Hund - sondern oft auch für uns Hundehalter​. Wenn der Hund nicht gut alleine bleiben kann und leidet stehen wir häufig hilflos da. 

Manchmal kann man seinen Hund einfach nicht mitnehmen und er ist zuhause besser aufgehoben als etwa beim Arzt oder im Auto vor dem Supermarkt.

Kann dein Hund gut alleine bleiben? Prima. Das ist Gold wert!

Was aber, wenn nicht?

Kommt dir Einiges davon bekannt vor?

Wenn dein Hund alleine zuhause war

  • berichten deine Nachbarn, dass dein Hund viel gebellt oder geheult hat
  • findest du ein zerlegtes Sofa oder zerstörte Tischbeine vor
  • hat dein Hund die Türe zerkratzt
  • findest du eine Pfütze in der Wohnung

Wenn einer dieser Punkte auftritt besteht meist kein Zweifel, dass der Hund Probleme mit dem Alleinesein hat. Denn eine zerstörte Wohnungseinrichtung fällt schnell auf.

Allerdings gibt es auch die Hunde, die still vor sich hin leiden und es womöglich nie entdeckt wird, dass sie eigentlich Trennungsstress haben. 

Was ist Trennungsstress?

Wenn ich mal so darüber nachdenke ist es verwunderlich, dass viele Hunde scheinbar kein Problem mit dem Alleinebleiben haben. Warum ich das denke?

Im Alltag wünschen wir uns eigentlich ständig, dass unsere Hunde auf uns achten, auf jedes unserer Signale reagieren und sich an uns orientieren. 

Wir sind für unsere Hunde zudem elementar wichtig weil wir Nahrung (sprich den gefüllten Futternapf) beschaffen und für Sicherheit und Erfüllung der notwendigen Bedürfnisse des Hundes sorgen.

Und plötzlich muss der Hund ohne uns klar kommen. Wir gehen, lassen ihn alleine in der Wohnung. Auch wenn ich meinem Hund sagen würde "In zwei Stunden bin ich wieder da!" - er versteht das natürlich nicht.

Nachdem der wichtige Mensch, der Bindungspartner also weg ist, hat der Hund keine Ahnung, wie er sich alleine wohl fühlen kann. Der Sicherheitsfaktor Mensch, der Bindungspartner ist verschwunden. Der Hund weiß nicht ob und wann der Mensch wieder kommt. Das macht Stress. Und Stress tut weh. 

Hunde die Trennungsstress haben leiden tatsächlich auch körperlich.

Was ist Trennungsstress nicht?

Ganz wichtig, wirklich ganz wichtig: Hunde, die Trennungsstress haben und dadurch vielleicht die Wohnung umdekorieren tun das nicht um zu protestieren oder uns zu ärgern. Sie suchen ein Ventil um mit ihrem Stress fertig zu werden und haben noch keinen adäquaten Weg gelernt.

Warum mir das wichtig ist?
Wann immer Begriffe wie "Protest", "Kontrolle" oder "Respekt" in Verbindung mit Hundeerziehung fallen löst das häufig Ärger über den Vierbeiner aus. Damit verbauen wir uns und unserem Hund eine Entspannung der Situation. Denn meistens kommen dann "Empfehlungen" auf den Tisch wie:

  • "Du musst ihn ignorieren und darfst nicht reinkommen solange er bellt!"
  • "Du musst ihm seinen Rang klar machen!"
  • "Er kontrolliert dich und das darfst du nicht zulassen!"
  • "Du musst ihn mit der Nase in seine Hinterlassenschaft tunken!"

Wann immer du so etwas hörst oder liest: Bullshit! 

Solche Empfehlungen sind lange veraltet und haben im fairen Umgang mit Hunden nichts zu suchen. Der einzige Lerneffekt den ein Hund davon hat, ist, dass sein Mensch unberechenbar und zeitweilig gruselig ist. Das sorgt also nur für mehr Stress. Und den können wir nun gar nicht brauchen.
 
Du weißt jetzt, dass Trennungsstress wirklich Stress für deinen Hund ist und er sich das nicht raussucht. 

Du musst dir also keine Sorgen machen, dass dein Vierbeiner dich nicht "ernst" nimmt oder dich bösartig kontrollieren will.
Im Gegenteil, wenn dein Hund Trennungsstress hat bist du ihm so wichtig, dass er nicht weiß, wie er sich ohne dich wohlfühlen kann. 

Das Gute daran: Dein Hund kann lernen, sich auch alleine besser zu entspannen.

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Was du tun kannst

Geht es um das Training von Trennungsstress ist es im Prinzip ähnlich wie bei fast jedem Training:

Der Hund braucht ein Alternativverhalten. Er muss wissen, was er tun kann, wenn seine Bezugsperson nicht verfügbar ist.

Das Alternativverhalten ist dabei aber nicht ein "Platz und Bleib" bis der Mensch wieder da ist. Würde sich der Hund dabei besser fühlen? Eher nicht. Abgesehen davon ist es auch nicht praktikabel, da nie "kontrolliert" werden kann, ob der Hund dann tatsächlich im Platz bleibt. Ganz zu schweigen von der Abartigkeit, den Hund möglicherweise stundenlang im Platz liegen zu lassen.

Entspannung

Das Gegenteil von Stress ist Entspannung. Durch Training lernt dein Hund sich auch zu entspannen wenn du nicht da bist. 

Dabei hilft eine tolle Sicherheits- oder Entspannungszone.
Das ist ein Bereich in der Wohnung/im Haus, an dem sich dein Hund wohl fühlt. Der Bereich darf ruhig aus mehr als nur einem Körbchen bestehen. Vielleicht liegt dort eine kuschelige Decke neben dem Körbchen, oder es steht eine offene Hundebox in der Zone, in die sich dein Hund gerne freiwillig zurück zieht.
In der Entspannungszone passieren nur angenehme Dinge für deinen Hund. Er findet hier öfter mal tolle Kauteile, vielleicht ein Eierkarton voller Kekse, ein gefüllter Kong oder er bekommt eine Massage von dir während er dort liegt. 

Durch eine Entspannungszone lernt der Hund, dass er sich auch ohne dich gut fühlen kann. Die Entspannungszone wird durch Training zu einem Ort, den dein Hund aufsuchen kann wenn du nicht da bist. 

Hilfreich ist es, wenn die Zone abgetrennt werden kann. So lernt dein Hund, dass er dir nicht immer folgen kann. Er bekommt aber gleichzeitig eine Alternative mit der er sich ebenfalls wohl fühlen kann. Durch kleinschrittiges Training kann dein Hund lernen, dass er auch ohne dich immer länger klar kommt.

Ganz wichtig: Dein Hund darf außerhalb der Trainingssituationen nicht alleine gelassen werden. Wenn er immer wieder die Stresssituation erlebt kann er nichts Neues lernen und du sabotierst dein Training. 
Es lohnt sich, für die Zeit des Trainings eine alternative Betreuung zu organisieren. 

Erwartungssicherheit

Neben Entspannung spielt auch die Erwartungssicherheit eine große Rolle. Mit Erwartungssicherheit ist gemeint, dass der Hund ein eindeutiges Signal lernt, wann seine Bezugsperson nicht zur Verfügung steht. Quasi eine "Ignorierzeit". Allerdings ist ignorieren nur dann sinnvoll, wenn der Hund auch weiß, was er stattdessen tun kann. Deshalb ist die Entspannungszone so wichtig. 

Während des Trainings lernt der Hund durch ein bestimmtes Signal, dass seine Bezugsperson jetzt nicht zur Verfügung steht. Anfangs hält sich die Bezugsperson noch im selben Raum auf, ein neues Signal wird etabliert und der Hund für eine kurze Zeit nicht beachtet. Diese Zeitdauer wird im Verlauf ausgedehnt bei Anwesenheit der Bezugsperson. Kann dein Hund diese Situation entspannt erleben ist der nächste Schritt, dass du als Bezugsperson nach dem Signal den Raum kurz verlässt und dein Hund dir nicht folgen kann. 
Kann dein Hund dabei auch entspannt in seiner Zone bleiben, dehnst du hier zunächst die Zeitdauer aus. Geht das auch über längere Zeit gut kannst du im nächsten Schritt tatsächlich kurz die Wohnung verlassen. 

Das Training an Trennungsstress ist für dich einfacher als es sich hier liest.

Wichtig ist: Du brauchst einen guten Plan und die Möglichkeit vorübergehend sicher zu stellen dass dein Hund nicht alleine sein muss.

Wenn du dabei Unterstützung benötigst kontaktiere mich oder eine_n gewaltfrei arbeitende_n Trainer_in.
Gerne bin ich bei der Suche danach behilflich und kann dir Adresse zu mir persönlich bekannten Trainern schicken.

Alles Gute für dich und deinen Vierbeiner!

Bis bald,

dein Erik