Leinenführigkeit – Hilfe mein Hund zieht an der Leine!

  • 22. April 2017

Das leidige Thema Leinenführigkeit:

Kennst du das?

  • Du bekommst bereits schlechte Laune wenn du dran denkst, mit deinem Hund die Straße entlang bis zur Grünfläche an der Leine laufen zu müssen?
  • Deine Schultern schmerzen weil dein Hund eine enorme Zugkraft entwickelt?
  • Lockere Leine ist für deinen Hund ein Fremdwort?
  • Dein Hund wirft sich blitzartig in die Leine und zieht dich wohin er will?

Leinenführigkeit will gelernt sein

Leineziehen hat dein Hund genauso gelernt wie er das Laufen an lockerer Leine lernen würde:
Er hat(te) immer wieder Erfolg damit und ist vorwärts gekommen wenn er gezogen hat. 

Für die meisten Hunde ist Laufen an der Leine schlicht Abitur.

Das würde man von einem 10 Jährigen ja nicht unbedingt verlangen, oder? 

Ein junger Hund mit - sagen wir 10 Monaten - tut sich also echt schwer damit. Und das ist auch erst mal kein Beinbruch. Solange du weißt, wie du ihm beibringst dass lockere Leine echt super ist! 

Druck erzeugt Gegendruck

Die meisten Hunde bekommen einen Duft in die Nase und wollen dort unbedingt hin und den betreffenden Fleck näher untersuchen.

Dabei sind sie schneller als sie sich versehen können am Ende der Leine angelangt und dort ziehen sie aufgrund des sogenannten Oppositionsreflexes erst einmal weiter.

 Was der Oppositionsreflex ist kannst du selbst einmal testen:

Bitte jemanden, dich im Stehen an der Schulter zu berühren und dabei Druck gegen dich aufzubauen. Was tust du? Richtig, du drückst dagegen um nicht um zu fallen.

Dein Hund tut das Selbe sobald Zug auf den Hals/den Brustkorb kommt: Er hält dagegen. Das ist ein Reflex.

Dann kommt es zu einer Mischung aus Oppositionsreflex und operanter Konditionierung - Lernen durch Erfolg:

Wenn dein Hund an der Leine zieht und dabei nur wenige Schritte weiter in die Richtung gelangt, in die er möchte, dann wurde das Ziehen an der Leine verstärkt und er zeigt das Verhalten (Ziehen an der Leine) öfter.

Teufelskreislauf!

Warum Rucken an der Leine nicht hilft

Ab und zu treffe ich Menschen, die ihren Hund durch Leinenruck zu ordentlichem Leinenlaufen bewegen wollen.

Meistens frage ich "Wie lange rucken Sie denn schon an der Leine?". Nach einiger Überlegung geht das Leinenrucken bereits eine ganze Weile und der Hund kann aber immer noch nicht an lockerer Leine laufen, schließlich müsste ja sonst nicht mehr geruckt werden. 

Typischerweise gibt der Hund nach einem Ruck für einige Schritte nach und landet dann prompt wieder am Leinenende, wird wieder zurück geruckt und das Spiel beginnt von Neuem.

Durch Rucke an der Leine lernt kein Hund an lockerer Leine zu laufen. 

Laufen an lockerer Leine erfordert viel Impulskontrolle

Durch Strafen, Rucken, Blocken und andere aversive Methoden wird die Aufregung des Hundes eher ansteigen.

Dadurch kommt noch mehr Stress in die Situation, Konzentration und Impulskontrolle fällt noch schwerer.

Leider sind unsere Hunde nicht in der Lage, ihr eigenes Ziehen mit dem Luftmangel zu verknüpfen und daraus den Rückschluss zu ziehen, dass sie selbst für die Luftnot verantwortlich sind.

Wenn ich bemerke, dass es meinem Hund sehr schwer fällt sich zu konzentrieren, sorge ich entweder für Entspannung oder schraube meine Anforderung an meinen Hund herunter.

Meine Lieblingsbücher

zu den Themen Leinenführigkeit und Begegnungen mit Artgenossen findest du hier:

Königsdisziplin: Ablenkung und lockere Leine

Sieht dein Hund andere Hunde, Menschen, Tiere oder sonstige so genannte Auslöser, dann kann die bisher gut funktionierende Leinenführigkeit oftmals dahin sein. Auch das liegt an der steigenden Erregung beim Anblick bestimmter Auslöser.

Bis also bei der Begegnung mit anderen Hunden oder anderen Auslösern eine lockere Leine erwartet werden kann, benötigen die meisten Hunde viel gutes Training mit Fokus auf mehr Entspannung. 
Am besten tastest du dich mit deinem Hund langsam an die Auslöser ran und verringerst den Abstand an der Leine erst, wenn ihr es mit mehr Abstand schon richtig gut schafft.

Ein bisschen Struktur im Training hilft dir und deinem Hund:

Am besten, du notierst dir nach deinen Trainingseinheiten wie weit ihr etwa von der Ablenkung entfernt war und wie gut dein Hund noch an lockerer Leine laufen konnte.

Leinenführigkeit ist - wie fast alles im Training - extrem kontextbezogen.

Jede Situation kann für deinen Hund eine ganz neue Herausforderung sein, auch wenn es für uns Menschen vielleicht nicht so wirkt.

Impulskontrolle ist ein wichtiges Gut. Sie wird im Laufe des Tages immer weniger und lädt sich - vereinfacht gesagt - über Nacht wieder auf.

Nach einem ereignisreichen Tag am Abend noch Leinenführigkeit zu trainieren kann also unter Umständen frustrierend für alle Beteiligten sein.

Deshalb finde ich es wichtig und fair dem Hund gegenüber, zu wissen, was wir da eigentlich verlangen.

Schließlich ist an lockerer Leine laufen für Hunde alles aber keine "natürliche" Verhaltensweise.

 

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