„Hilfe, mein Hund kontrolliert mich!“

Dein Hund kontrolliert dich

Viele Hunde bekommen das Etikett „Kontrolleur“ angehängt. Die Verhaltensweisen, die ihnen dieses Etikett einbringen sind vielfältig. Vielleicht hast du einen Hund, dem du das Etikett auch für bestimmte Verhaltensweisen verpasst hast? 

  • Du hast Besuch zuhause, dein Hund lässt den Besuch nicht aus den Augen und knurrt vielleicht wenn er sich bewegt

Ein Hund, der das tut fühlt sich mit fremden Menschen in seiner direkten Umgebung nicht wohl. Diese bewegen sich in seinem Zuhause und er findet sie vielleicht gruselig. Da ist es „normal“, dass er sie nicht aus den Augen lassen möchte. Etwas, das mir unangenehm ist möchte ich auch im Auge behalten um zu verhindern, dass es plötzlich ganz dicht bei mir ist oder mich erschreckt.

  • Dein Hund will an der Leine immer ein paar Schritte vor dir laufen

Viele Hunde laufen einfach schneller als wir Menschen. Es fällt ihnen schwer, ständig auf gleicher Höhe mit uns zu laufen. Was will ein Hund denn kontrollieren? Die 20 cm Asphalt vor unseren Füßen? Natürlich weil ein Hund gucken, was so unterwegs los ist. Das ist normales hundliches Erkundungsverhalten.


Vielleicht hat er auch einfach nicht gut genug lernen können, was du von ihm erwartest. Also keine Sorge, wenn dein Hund gerne vor laufen möchte ist das erst mal völlig normal und hat nichts damit zu tun, dass er die Rudelführung übernommen hat oder dich kontrollieren will.

  • Dein Hund läuft dir zuhause immer hinterher

Auch das kann mehrere Ursachen haben. Fakt ist, dein Hund braucht dich um sich gut und sicher zu fühlen. Du bist seine Bezugsperson und er hat nicht gelernt, dass er sich auch ohne dich gut fühlen kann. Deshalb versucht er möglichst direkt bei dir zu sein.

  • Dein Hund bellt an der Leine andere Hunde an

Wenn dein Hund an der Leine andere Hunde anbellt hat er ein Problem mit Hundebegegnungen. Vielleicht liegt die Ursache für sein Verhalten darin, dass er an der Leine nicht zu anderen Hunde hin darf und gefrustet ist. Vielleicht kann er selbst angeleint andere Hunde nur schwer in seinem Umfeld aushalten weil er gerne mehr Abstand möchte. Ganz sicher keine Ursache für sein Verhalten ist, dass er sich denkt „der darf da nicht laufen weil das MEIN Weg ist“. Das wäre doch arg menschlich gedacht.


    Was passiert mit dir als Hundehalter wenn du denkst oder gesagt bekommst dein Hund wolle dich oder etwas in seiner Umgebung kontrollieren? Findest du das gut? Eher nicht, oder?

    Häufig raten Trainer, man müsse den Hund dann einschränken oder -noch schlimmer-: „man müsse die Rudelführung wieder übernehmen.“
    Damit bist du wahrscheinlich noch mehr verunsichert. Was noch fataler ist – du denkst ständig nach ob dein Hund dich mit seinem Verhalten jetzt wieder kontrollieren will und wie du das unterbinden kannst. Es entsteht also viel Misstrauen und Stress, aber sicher kein entspanntes Zusammenleben.

    Was ist Kontrolle?

    Jedes Lebewesen will seine Umgebung und das, was mit ihm geschieht kontrollieren. Wir Menschen wählen gerne die Alternativen, die für uns am angenehmsten sind. Wir wollen uns mit netten Menschen umgeben, unsere Wohnlage so aussuchen dass wir uns wohlfühlen, Dinge essen die wir lecker finden und selbst bestimmen, was wir wann tun. Wir haben also weitgehend Kontrolle über unseren Alltag. Kontrolle gibt Sicherheit!

    Jeder Hund möchte seine Umwelt natürlich so kontrollieren, dass er sich sicher und gut fühlt. Das ist soweit erst einmal völlig normal.

    Wenn ein Hund beispielsweise ein Signal befolgt übt er damit Kontrolle aus, weil er gelernt hat, dass nach dem Signal für ihn etwa Gutes kommt. Er kontrolliert also durch sein Verhalten die Konsequenzen.


    Deshalb ist es sehr verheerend, wenn Hunde, die „kontrollieren“ misstrauisch beäugt werden und die ersten Maßnahmen „Reglementierung“ oder „Rangreduktionsprogramme“ sind.

    Hunde, die das Etikett „Kontrolleur“ bekommen, haben häufig Sorge, etwas zu verlieren. Sie leiden vielleicht unter Trennungsstress oder haben generell kaum die Möglichkeit, ihr Wohlbefinden positiv zu beeinflussen.

    Welches Verhalten zeigt dein Hund?

    Wenn du also das Gefühl hast, dein Hund kontrolliert dich oder etwas anderes schau dir zuerst ganz simpel das Verhalten an. Was tut dein Hund? „Kontrollieren“ ist eine Interpretation von Verhalten. Wie sieht das Verhalten konkret aus?

    „Mein Hund läuft in der Wohnung fast immer hinter mir her. Dazu steht er auch auf, wenn er gerade geschlafen hat oder auf seinem Platz lag.“ Das wäre eine neutrale Beschreibung mit der man ein zielführendes Training starten kann.

    Im Training sorgen wir dafür, dass sich dein Hund sicher fühlt und dich entspannt aus den Augen lassen kann.

    Das erreichen wir aber nicht durch Zurechtweisung, Blocken, Zischen oder sonstige unangenehme Einwirkungen.

    Wie sieht das Training aus?

    Welches Bedürfnis steckt hinter dem Verhalten des Hundes? Hat er Angst, leidet er unter Trennungsstress? Das schauen wir uns genau an.

    Dann bauen wir darauf auf und zeigen dem Hund, wie er die Situation für sich entspannt meistern kann. Wir geben dem Hund viel Gelegenheit für gutes Verhalten und belohnen ihn dafür. So kann jeder Hund lernen sich zum Beispiel in bei Anwesenheit von Besuch sicher zu fühlen. Häufig sind nur kleine Veränderungen erforderlich die bereits zu einer deutlichen Entspannung beitragen.

    Wie immer im Training gilt: Wenn du ein schlechtes Bauchgefühl hast, Training über Druck und Zwang erfolgen soll, dir gesagt wird, dass du der Rudelführer sein musst und deinen Hund einschränken musst überdenke deine Trainerwahl noch mal. 
    Solche Tipps tragen sicher nicht dazu bei, dass sich dein Hund sicher und entspannt fühlt. 

    Benötigst du Unterstützung mit deinem Hund? Lass es mich wissen! Sende mir eine Nachricht an erik@der-dogwalker.de.

    Egal wo du wohnst, es gibt ein tolles Netzwerk von Hundetrainern, die super auf dich und deinen Hund eingehen können und dir den Weg zu einem entspannten Alltag mit deinem Hund zeigen können.

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