Angst verstärken

Angst der Hunde verstärken durch Trösten?

  • 17. Dezember 2017

Was ist dran? Was schadet deinem Hund? Was hilft deinem Hund wenn er akut Angst und Panik hat?

„Wenn dein Hund Angst hat musst du das ignorieren und darfst ihn nicht trösten, sonst verstärkst du seine Angst und er wird immer mehr Angst haben.“

Was ist dran an der Angst, die Angst deines Hundes durch Trösten zu verstärken?

Dahinter steckt die Annahme, man könne Angst verstärken durch etwas Angenehmes wie Aufmerksamkeit von dir, durch tröstende Worte oder Kuscheln.

Angst ist eine überlebenswichtige Emotion

Nehmen wir an, draußen knallt es laut, dein Hund erschreckt sich furchtbar und flüchtet unter deine Beine. Dort zittert er furchtbar und traut sich lange Minuten nicht wieder vor. Diese Fluchtreaktion hat evolutionär gesehen Leben gerettet. Denn bei plötzlichen, extremen Geräuschen ist es erst mal sicherer, sich zu verstecken.

Die Reaktion auf plötzliche, laute und sehr intensive Geräusche ist evolutionär angeboren. Das Gehirn des Hundes reagiert quasi reflexiv mit Fluchtverhalten. Denn jedes „Nachdenken“ könnte bereits zu lange dauern und den Tod bedeuten.

Deshalb ist es evolutionär sinnvoll zu flüchten und sich in Sicherheit zu bringen wenn plötzliche laute Geräusche auftauchen.

Wenn dein Hund auf Knallgeräusche also mit Angst und Fluchtverhalten reagiert ist er erst einmal ein völlig normaler Hund mit einem funktionierenden Gehirn.

Angst ist eine sehr starke Emotion. Das kann jeder von uns glatt bejahen.

Wenn ich richtig Angst habe, fühlt sich das schrecklich an. Ich kann nicht mehr klar denken und verhalte mich dabei oft „eigenartig“.

Hunden geht es genauso. Das, was sie tun wenn sie Angst haben ist Folge der Angst: Verstecken, Zittern, Hecheln. Nichts davon tun sie absichtlich.

Silvester mit Hund

Panik vor Silvester? Schnell handeln!

Dir ist schon Angst und Bange vor dem nahenden Silvester weil dein Hund Panik vor Knallgeräuschen hat?

Was du jetzt noch tun kannst und wie du deinen Hund spielend auf Silvester im nächsten Jahr vorbereitest erfährst du im Silvester Notfall-Plan.

Sichere dir jetzt noch schnell die Unterstützung für deinen Hund:

Nur bewusst gezeigtes Verhalten kann verstärkt werden

Wenn wir von Verstärkung sprechen, geht es um die vier Quadranten der operanten Konditionierung.

Man kann Verhalten entweder verstärken – dann wird der Hund es häufiger, länger oder intensiver zeigen. (Negative und positive Verstärkung)

Oder man bestraft Verhalten: Dann wird der Hund das Verhalten zukünftig seltener zeigen. (Negative und positive Strafe)

Wenn wir von Verstärken und Bestrafen sprechen geht also immer um das Verhalten, welches ein Hund zeigt.

Jedes Verhalten des Hundes hat eine Konsequenz für ihn - unabhängig davon ob wir als Menschen daran beteiligt sind oder nicht (Stichwort Umweltbelohnung, selbstbelohnendes Verhalten usw.)

Jedes Verhalten hat also mindestens eine dieser Konsequenzen zur Folge. Immer.

Das trifft auch auf unser menschliches Verhalten zu. Alles, was wir bewusst tun hat eine dieser Konsequenzen zur Folge:

Konsequenzen
Übrigens hängt es ganz vom Hund ab, was dieser als belohnend und was als strafend empfindet. Bei uns Menschen ist es ähnlich: Für den einen wirkt eine Stunde Joggen gehen belohnend, für den anderen wäre es die Höchststrafe.

Aber zurück zur Angst:

Angst ist eine Emotion. Natürlich erzeugt die Emotion bestimmte Verhaltensweisen (Flüchten, Zittern und Hecheln beispielsweise). Das Verhalten sucht sich der Hund aber in dieser Situation nicht bewusst heraus. Er kann sich aufgrund der starken Angst nicht anders verhalten. 

Wenn du also einen Hund hast, der extrem unter Silvester leidet, oder sich auch sonst einmal erschreckt und bei dir Schutz sucht, dann kannst du ihm den Schutz gewähren. Dadurch hilfst du ihm.

Hat dein Hund viele Ängste und reagiert häufig ängstlich wende dich bitte an einen guten, gewaltfrei und nach aktuell wissenschaftlichen Methoden arbeitenden Trainer der dich unterstützt.

Hunde mit vielen Ängsten haben eine sehr eingeschränkte Lebensqualität.

Angst macht krank. Und Angst zieht Kreise.

Zu den aktuellen Ängsten werden immer mehr dazu kommen wenn dein Hund keine Unterstützung bekommt. 
Die meisten Ängste können schnell gemildert werden und nehmen dir und deinem Hund eine Menge Stress! Also schau hin und handle! Angst muss nicht sein. 

Das Kuschelhormon

Gegen Angst und Stress hilft oftmals Körperkontakt wenn dein Hund diesen bei dir sucht. Körperkontakt sorgt für die Ausschüttung des „Kuschelhormons“ Oxytocin. Das Kuschelhormon hilft beim Abbau von Stresshormonen im Körper.

Eine unangenehme Emotion wie Angst kannst du also nicht verstärken indem du die Situation für deinen Hund angenehmer machst. Im Gegenteil. Dein Hund erfährt, dass du ihm hilfst und dass sich deine Nähe gut für ihn anfühlt. Du bietest deinem Hund durch Trösten „Social Support“.

Social Support bedeutet Unterstützung durch Gruppenmitglieder in stressenden Situationen. Durch körperliche Zuwendung können die Stresssymptome reduziert werden.

Du darfst deinem Hund also Schutz und Zuwendung bieten wenn ihm das hilft.

Es kommt dabei natürlich auf deinen Hund an. Was er als angenehm empfindet liegt ganz bei ihm.

Du wirst am besten wissen, was deinem Hund hilft und was er gut annehmen kann:

  • Leicht gestreichelt werden
  • Kontaktliegen 
  • Verstecken hinter/unter dir

Viele Hunde empfinden es als unangenehm wenn sie festgehalten werden. Schau also genau drauf was dein Hund gut findet und was nicht.

Sonst kann es tatsächlich passieren, dass du die Angst deines Hundes verschlimmerst.

Wie das?


Achtung: So verstärkst du die Angst trotzdem!

Wie du die Angst deines Hundes tatsächlich verstärken kannst?

Wenn dein Hund ohnehin Angst hat und du dich zusätzlich ungewohnt verhältst, kann es passieren, dass dein Hund in dieser Situation noch mehr Angst bekommt.

Bist du vielleicht sehr aufgeregt, streichelst deinen Hund ganz hektisch, hältst ihn fest weil du denkst, es beruhigt ihn obwohl er gerne flüchten möchte, du redest ganz gestresst auf ihn ein - was du sonst nie tust.

Alles was in diesen ohnehin gruseligen Situationen für deinen Hund zusätzlich anders ist als sonst kann den Stress noch erhöhen.

Das trifft übrigens auch auf Hilfsmittel zu, die eigentlich entspannen sollen.

Wenn du das Thundershirt also erst auspackst, während dein Hund bereits unter das Bett geflüchtet ist, wird es ihm nicht helfen. Deshalb ist es wichtig wirklich alle neuen Hilfsmittel mindestens einige Tage vor dem stressenden Ereignis mit etwas Angenehmem oder Entspannenden zu verbinden. 

Lege deinem Hund niemals in ängstigenden Situationen neue Hilfsmittel an die er nicht kennt. Das wird den Stress nur erhöhen.

Verhalte dich also „normal“ und biete ihm den Schutz den er haben möchte.

Mache deinen Hund bereits so früh wie möglich mit neuen Hilfsmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Entspannungsutensilien vertraut. 

So kannst du deinem Hund ein wenig Unterstützung bieten. Als fürsorgliche Sozialpartner tut man sowas schließlich. 

Jetzt weißt du, dass du durch soziale Unterstützung die Angst deines Hundes nicht "belohnen" kannst.

Folge deinem Bauchgefühl und unterstütze ihn bestmöglich in schweren Zeiten. 


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